Von Sabine Stamer

Köln

Heiraten sollte Ursula, Prinzessin aus Britannien. Begeistert war sie von diesem Gedanken nicht. Doch wollte sie ihre Familie nicht verärgern und erbat sich listig, vor der Hochzeit noch eine Wallfahrt zum Papst nach Rom machen zu dürfen, mit ihren zehn besten Freundinnen samt Gefolge. Wider Erwarten willigte der schmachtende Bräutigam ein. Zur Hochzeit sollte es trotzdem nicht kommen. Denn auf dem Rückweg wurde Ursula mit ihren 11 000 Jungfrauen von einem Hunnenfürsten, der gerade Köln überfallen hatte, auf grausame Weise umgebracht.

Historisch erwiesen ist das alles nicht, gern erzählt und gehört wird die Legende von der heiligen Märtyrerin aus dem 10. Jahrhundert trotzdem.

Ein paar hundert Meter hinter dem Kölner Hauptbahnhof trägt eine romanische Kirche ihren Namen: Sankt Ursula. Auf dem Platz vor dem Eingangsportal trifft sich an ein, zwei Samstagen im Monat eine Gruppe von 30 Frauen, neugierig darauf, die Spuren ihrer Ahninnen zu verfolgen (Ahnin, dieses Wort gibt es laut Duden zwar nicht, doch an dieser Stelle muß es geschaffen werden). Seit zwei Jahren findet in Köln regelmäßig die „Historische Stadtrundfahrt für Frauen“ statt, ins Leben gerufen von der Volkshochschuldozentin Irene Franken und der Diplom-Pädagogin Edith Kiesewalter.

Frauen finden in der Geschichtsschreibung kaum Beachtung, stellten die beiden fest. Nur ganz selten schafft es eine Frau, zur bekannten historischen Persönlichkeit zu werden. Die Kaiserin Agrippina zum Beispiel, die mit der Gründung der colonia claudia ara agrippinensium im Jahre 50 n. Chr. das Fundament der Stadt Köln schuf. Als Patronin und Stadtgründerin machte sie sich einen Namen, der auch in gewöhnlichen Stadtrundfahrten Erwähnung findet – selten ohne den Hinweis, daß sie sehr „ausschweifend“ gelebt habe.

Wer aber weiß schon Genaues über die Beginen oder die Kölner Frauenzünfte? Aus Geschichtsbüchern und Archiven sammelten Irene Franken und Edith Kiesewalter verstreute Hinweise und Dokumente. Bevor im April 1985 die erste Frauen-Stadtrundfahrt angeboten werden konnte, hieß es erst einmal: suchen, forschen und lesen. Das Ergebnis ist eine Fahrt durch Köln und die Jahrhundertwende, die sechs Stunden dauert und längst noch nicht alles streift, was die Geschichte der Frauen in Köln in Erinnerung ruft.