St. Peter-Ording preist sich werbewirksam an: „Wenn es Meer sein soll...“ So rühmt die Kurdirektion die heilsame Allgegenwart der Nordsee an der westlichen Küste der Halbinsel Eiderstedt im Ferienkreis Nordfriesland. Gemeint ist das Meer an den zwölf Kilometer langen und einen halben bis einen Kilometer tiefen vorgelagerten Sandbänken mit vier Strandbädern, in deren Weite sich die Badegäste selbst bei heftigstem Ansturm im Hochsommer scheinbar verlieren. Das bieten nur wenige Gemeinden im nord- und ostfriesischen Seebäderparadies (Westerland sieben, Cuxhaven zehn Kilometer Strand). Gemeint ist aber im Selbstbewußtsein eines klassischen Seebads mit hundertjähriger Tradition auch „mehr“ – mehr Kur, mehr Erholung, mehr Komfort, mehr Gästefürsorge, mehr Service.

St. Peter-Ording ist nächst Borkum, Cuxhaven, Westerland und Norderney eines der erfolgreichsten und meistgeschätzten Massenbäder an der Nordsee. Die vier Ortsteile St. Peter (Bad) und St. Peter (Dorf) sowie Ording und Böhl zählen 5400 Einwohner und verfügen über 14 250 Fremdenbetten (ohne die neun Campingareale mit über 1000 Stellplätzen). In den Sommerferien leben in dem überlaufenen Bad soviel Menschen wie in Husum, der größten Stadt in Nordfriesland: 25 000.

Das Nordseebad, das sich vom Kinderbad (30 Sanatorien) der Krieg- und Nachkriegsjahre zum Familienbad gewandelt hat, ist in erster Linie Ferienkolonie und Sommerfrische (mit 1500 Zweitwohnungen). Die lokale Fremdenverkehrsstatistik registriert jährlich über 120 000 Gäste mit annähernd zwei Millionen Übernachtungen und dem phantastischen Vollbelegungskoeffizienten von 140 Tagen pro Jahr. Kurdirektor Klaus wäre fehl am Platz, wenn ihm das bei allem Menschengewühl in der verkehrsberuhigten Zone von St. Peter-Bad genügte. Klaus: „Wenn es gelingt, auf 150 Vollbelegungstage zu kommen, bin ich zufrieden.“

St. Peter-Ording hat mit den übrigen 31 Seebädern und Seeheilbädern an der Nordsee die Heilmittel und die Heilanzeigen gemeinsam. Eine Kur an der Nordsee mit Anwendung von Meerwasser (Bäder und Inhalation) und Schlick (Bäder/Packungen) empfiehlt sich bei chronischen Krankheiten der Atemwege, Herz- und Gefäßleiden, Hautkrankheiten und Krankheiten des Bewegungsapparats sowie Krankheiten im Kindesalter und allgemeinen Schwächezuständen. St. Peter-Ording ist aber außerdem ein Schwefelbad: Vor etwa 30 Jahren wurde durch Zufall eine Schwefelquelle angebohrt. Das Bad im Bad erfreut sich einer meernahen Schwefelsole wie an den Küsten von Nord- und Ostfriesland nur noch Dangast am südlichen Ufer des Jadebusens und Dorum in der Samtgemeinde Land Wursten.

Die Schwefelquelle ergänzt und bereichert den Indikationskatalog. Anwendungen mit Schwefelsole haben sich bei Erkrankungen der Atmungsorgane, Hautkrankheiten, chronischen Leiden der Atmungsorgane sowie organischen Erkrankungen der Arterien und Rheuma bewährt. Für Kinder gibt es noch neun Sanatorien mit 1800 Betten und ein evangelisches Jugenddorf mit 500 Betten.

Die Gemeinde lebt so gut wie ausschließlich vom Fremdenverkehr. Das Bad als kommunaler Wirtschaftsbetrieb ist mit einem Jahresbudget von elf Millionen Mark üppiger dotiert als der Rathausetat (sieben Millionen). Erhaltung und Pflege der Strände kosten jährlich 1,2 Millionen Mark. Kurpatienten suchen vor allem Heil und Linderung bei Krankheiten der Atemwege und des Bewegungsapparats (jeweils etwa 40 Prozent). Sie absolvieren in der überwiegenden Mehrzahl offene Badekuren, verhelfen dem Kurmittelhaus zu einer Umsatzbilanz von 400 000 bis 450 000 Anwendungen im Jahr, sind aber gegenüber den Feriengästen in der Minderheit. Jährliche Kurgastmeldung: rund 18 000. Der Absatz der Kurkarte ist nicht zwingend an den Gebrauch der Kur gebunden. Eine Kurtaxe wird auch dem Geschäftsreisenden bei einer Übernachtung auferlegt: in der Saison täglich 3,50 Mark. Wolfgang Boller