Amerikas Opposition macht sich Gedanken über ein Umsteuern nach Reagan

Von Dieter Buhl

Washington, im April

Während sich Ronald Reagans Präsidentschaft langsam und glücklos ihrem Ende zuneigt, richtet sich das amerikanische Interesse zunehmend auf die Demokraten. Sie haben eine steinige Strecke hinter sich. Als meinungsbildender Faktor der nationalen Politik waren sie während der vergangenen Jahre kaum wahrzunehmen. Zu sehr stand die Partei Franklin D. Roosevelts und John F. Kennedys im Banne eines überaus populären Präsidenten, als daß sie den Widerspruch gewagt hätte. Zu stark schien sie gelähmt durch die Dynamik der konservativen Revolution und den Charme rechter Heilsbotschaften, als daß sie sich zu eigenen Ideen bekannt hätte. Erst die wiedergewonnene Senatsmehrheit und die Entzauberung des großen Kommunikators bescherten den Oppositionellen neuen Auftrieb. Sie schöpfen allmählich wieder Mut und trauen sich zu, den nächsten Mann im Weißen Haus zu stellen.

Schwäche des Gegners

Vorerst jedoch beruht die Hoffnung mehr auf den Schwächen der Reagan-Administration als auf eigenen Stärken. Vorstellungen für die Zeit nach Reagan, Denkanstöße des anderen, liberalen und so lange eingeschüchterten Amerika sind bei den Demokraten nur in vagen Impulsen zu entdecken. Unter ihren vielen Wortführern bemühen sich wenige, ein geschlossenes Konzept anzubieten. Einer von ihnen ist Charles Robb, der ehemalige Gouverneur von Virginia und Vorsitzende der Demokratischen Führungskonferenz (Democratic Leadership Conference, DLC).

Von seinem Anwaltsbüro im sechsten Stock eines Bürohauses in der Stadt Fairfax sieht er weit über die Hügel Virginias und das Einzugsgebiet Washingtons. Das Weiße Haus hat Robb jedoch nicht im Blick, auch nicht im übertragenen Sinne. Dabei eignete sich der Schwiegersohn des Präsidenten Lyndon B. Johnson, ein hochdekorierter Vietnam-Offizier, gewiß gut zum Präsidentschaftskandidaten, denn er repräsentiert einen neuen, attraktiven Typus der demokratischen Parteielite. Doch der erfolgreiche und pragmatische Politiker richtet sein Augenmerk auf andere Ziele. Gemeinsam mit vielen prominenten Demokraten hat er sich auf die Suche nach der politischen Mitte begeben. Dort liegt der Schlüssel zur Wiedergewinnung der präsidialen Macht.