WEITERBILDUNG (IV)

Viele Unternehmen lassen sich die Schulung ihrer Mitarbeiter von der Nürnberger Behörde bezahlen

Von Klaus Heimann

Dramatisch verschieben sich die Aufgaben der Bundesanstalt für Arbeit, der altehrwürdigen Versicherungskasse der Arbeitnehmer gegen Arbeitslosigkeit. Dies geschieht fast unbemerkt von der Öffentlichkeit und ebenso unbeeinflußt von den Organen der Selbstverwaltung. Während immer mehr Arbeitslose kein Geld vom Arbeitsamt bekommen und auf Sozialhilfe angewiesen sind (1985: schon 37 Prozent), ist bei den Ausgaben für die berufliche Bildung ein gewaltiger Anstieg zu verzeichnen.

Im Etat ’87 der Bundesanstalt ist hierfür die Rekordsumme von 5,6 Milliarden Mark vorgesehen; 1983 wurden für den gleichen Aufgabenbereich erst knapp drei Milliarden Mark aufgewandt. Doch was da mit großem Trommelwirbel als zentrale Aufgabe der Bundesanstalt offeriert wird, bedarf der genaueren Betrachtung.

In den Köpfen von Politikern hat sich offenbar die These festgesetzt, das Krebsgeschwür Massenarbeitslosigkeit verschwinde quasi von selbst, wenn die Arbeitslosen nur besser qualifiziert wären. Die frühere Bildungsministerin Dorothee Wilms erklärte einmal, der Ursprung für Arbeitslosigkeit sei in der mangelnden Qualifikation der Arbeitslosen zu sehen.

Diese Feststellung trifft so nicht zu: Das Heer von mehr als zwei Millionen offiziell registrierten Arbeitslosen wird nicht dadurch beseitigt, daß überall weitergebildet wird. Die Qualifizierungsoffensive ist keine Wunderwaffe gegen Arbeitslosigkeit. Auch die Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit belegen dies. Die jährlich einmal veröffentlichte Strukturanalyse zeigt, daß auch das Risiko qualifizierter Arbeitnehmer, arbeitslos zu werden, von Jahr zu Jahr gewachsen ist. Aus den Daten läßt sich sogar der sarkastische Schluß ziehen, daß die Masse der Arbeitslosen noch nie so gut qualifiziert war wie im Jahre 1987.