Die umweltfreundliche Landwirtschaft ist nicht umsonst zu haben

Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß will einen Jahrhundertvertrag für die Agrarwirtschaft. Allein für die Pflege der Landschaft sollen die Bauern danach mindestens zwei Milliarden Mark jährlich erhalten. Die ökologischen Aspekte einerneuen Agrarpolitik analysiert der Kieler Ökonom Jörg-Volker Schrader.

Der Geruch frisch ausgebrachter Gülle oder gerade mit Pflanzenschutzmitteln behandelter Felder einerseits oder der Anblick friedlich grasender Kühe auf einer Weide andererseits lassen uns sinnlich erfahren, daß die Beziehung zwischen Menschen, ihrer Umwelt und der Agrarproduktion sich nicht nur über Märkte abspielt, auf denen gegen Bezahlung Dünger oder Kartoffeln ge- oder verkauft werden. Vielmehr hat die Agrarproduktion schwerwiegende und konfliktträchtige Nebenwirkungen, die sich nicht auf diese eher äußerlichen Eindrücke beschränken. Anders als bei anderen Wirtschaftszweigen allerdings, wo es nahezu ausschließlich um negative Nebenwirkungen des Produktionsprozesses geht, hat die Landbewirtschaftung nach Meinung verschiedener Seiten auch positive Nebeneffekte.

Was wollen die Verbraucher?

Es werden angeblich also Leistungen erbracht, für die die Landwirte über den Markt nicht entlohnt werden. In beiden Fällen geht es zunächst darum, die Effekte zu identifizieren und dann Lösungen zu finden, die eine sachgemäße Berücksichtigung dieser Nebenwirkungen ermöglichen.

Die negativen ökologischen Wirkungen der Agrarproduktion sind weithin bekannt und kaum zu bestreiten – dazu später. Aktuell spielt die auch schon seit einiger Zeit vertretene Ansicht eine besondere Rolle, daß die Landbewirtschaftung positive Nebenwirkungen hat. Sie bestehen angeblich darin, daß die Landschaft (Kulturlandschaft) in der heutigen Form erhalten wird, ohne daß die Landwirte hierfür honoriert würden.

Träfe dies zu, so hätte eine neue, marktwirtschaftliche Agrarpolitik mit Preissenkungen und einer Verringerung der bewirtschafteten Fläche, die große gesamtwirtschaftliche Vorteile verspricht, negative Nebenwirkungen für die Landschaftsnutzer. Anders ausgedrückt lautet die These: Die Verbraucher wären bereit, den Erhalt der heutigen Bewirtschaftungsstruktur gesondert zu honorieren. Beim Versuch, diese Behauptung zu belegen, stößt man aber auf schwer überwindbare Hindernisse. So ist es kaum möglich, die landschaftlichen Präferenzen der Verbraucher zu ermitteln, weil die Verbraucher selbst die Alternativen zur heutigen Landschaft nicht kennen und sich wohl nur schwer vorstellen können. Führt man sich die Vielfalt der europäischen Landschaft, die zum Teil extreme Besiedlungsdichte und hohe Intensität der Landbewirtschaftung vor Augen, so kann unterstellt werden, daß die obige ganz pauschale These nicht zutrifft. Sicherlich gibt es in den verschiedenen Regionen viele Menschen, denen ein „Weniger“ an Landbewirtschaftung und ein „Mehr“ an Wald oder gänzlich unbewirtschafteten Flächen eher zusagt. Eine abnehmende Bewirtschaftungsintensität und die Freisetzung von Flächen dienen dem Naturschutz im eigentlichen Sinne, das heißt der Schaffung oder Regenerierung natürlicher Biotope und dem Erhalt der Artenvielfalt. Eine pauschale Honorierung der Landwirte für die Landschaftserhaltung ist deshalb abzulehnen.