Großbritannien hat achteinhalb Millionen Aktionäre, dreimal soviel wie 1979, als die Regierung Thatcher mit ihren Privatisierungen begann. Der konservative Unterhausabgeordnete Keith Best hat das Seine dazu getan, zumindest statistisch. Er kam sechsmal um Aktien von British Telecom ein und erhielt 4800 Stück zum Preis von jeweils 130 Pence ausgehändigt, wohingegen sich der gesetzestreue Durchschnittszeichner mit einer Zuteilung von 800 Stück bescheiden mußte. Nun muß Best mit einer Strafverfolgung rechnen. Der Staatsanwalt prüft seinen Fall.

Der Volksaktionär glaubte, alles aufs beste eingerichtet zu haben. Aber der hatte nicht mit den Detektiven eines der Labour Party nahestehenden Forschungsinstituts gerechnet. Als die Spürhunde das Aktionärsregister von British Telecom durchschnüffelten, stießen sie auf einen Mister Best, der mal Vornamen, Mittelnamen und Initialen, mal den einen, mal den anderen Wohnsitz angegeben hatte. Genüßlich machte das Institut die Ergebnisse seiner Nachforschungen bekannt.

Jurist Best erklärte, er habe nicht gewußt, etwas Unrechtes getan zu haben. Dabei erlaubte der Aktionsausgabeprospekt von Telecom ausdrücklich nur einen Antrag pro Person, denn das Kapital sollte möglichst weit gestreut werden. Einige Aktionäre sind aufgeflogen und haben ihren Übereifer bereits mit Geldstrafen gebüßt.

Für die Opposition ist der Fall Best ein gefundenes Fressen. Das komme davon, wenn man Volksvermögen verschleudere, die Wähler besteche und eine Unmoral der Bereicherung fördere. Was denn wohl, so wurde im Unterhaus gefragt, der Abgeordnete dazu sagen würde, wenn ein Bewohner seines Wahlkreises zweimal Sozialhilfe beantrage? Während Labour nach seinem Rücktritt rief, herrschte auf den konservativen Bänken betretenes Schweigen.

Seine Parteiorganisation im walisischen Wahlkreis Ynys Mon war peinlich berührt, aber „bis auf weiteres“ wollte sie nichts unternehmen. Allerdings kam dann heraus, daß Best auch bei der Zeichnung von Jaguar-Aktien viermal zugelangt hatte. So viel Erwerbssinn war mehr, als selbst die Konservative Partei ertragen konnte. Best verstand die Stimmung richtig und kündigte an, er wolle Ynys Mon bei der nächsten Wahl nicht verteidigen. Aber zurücktreten wolle er nicht, denn in Kürze fänden ja ohnehin Wahlen statt. Wenn er bis zur Auflösung des Parlaments aushält, kann er mit einer Abfindung rechnen.

Best ist nicht der einzige, der der Versuchung nicht widerstehen konnte. Sein konservativer Kollege Eric Cockeram zeichnete ebenfalls mehrmals, als die Aktien von British Telecom auf den Markt kamen – für seine Enkel, wie er erläuterte. Er wiederholte das bei British Gas. Nun ist er dem Beispiel von Best gefolgt und hat angekündigt, er werde seinen Sitz in Ludlow nicht verteidigen.

Privatisierungen sind durchweg attraktiv, die meisten Aktien erlebten einen raschen Kursanstieg, wobei allerdings auch die feste Börsentendenz zu Hilfe kam. Überzeichnungen sind die Regel. Viele Aktionäre machen schnell Kasse. Aber noch mehr halten die Papiere und vergrößern das Heer von Margaret Thatchers Volksaktionären.