Die Statthalter von Amerikas drittgrößtem Ölkonzern Texaco Inc. in Hamburg handelten außergewöhnlich schnell. Kaum hatte Konzernchef James W. Kinnear am vergangenen Sonntag in New York den Vergleichsantrag nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts zum Schutz vor den Gläubigern gestellt, da streute die Deutsche Texaco eine beruhigende Botschaft: Ihr Geschäft werde durch die Vorgänge in Amerika „nicht behindert“.

Soviel Eile war nötig, denn für die Muttergesellschaft wird die Lage immer prekärer. In der vergangenen Woche mußte sie nämlich erneut eine Schlappe in dem seit 1984 andauernden Rechtsstreit mit der kleinen Pennzoil des Houstoner Ölmillionärs J. Hugh Liedke hinnehmen. Damals hatte Texaco dem Texaner die Getty Oil Company für zehn Milliarden Dollar vor der Nase weggeschnappt. Liedtke behauptete, mit unsauberen Methoden, klagte vor Gericht und bekam Schadenersatz in Höhe von 10,5 Milliarden Dollar zugesprochen.

Um in die Revision gehen zu können, hätte Texaco diese Summe sofort als Sicherheit hinterlegen müssen. Doch ein New Yorker Bundesgericht reduzierte die Kaution auf eine Milliarde Dollar. Dieses entgegenkommende Urteil wurde jetzt vom obersten Bundesgericht in Washington aufgehoben.

Die Kunden reagierten prompt. Die algerische Sonatrach kündigte an, sie werde kein Rohöl mehr liefern. Einige Banken wollen keinen Kredit mehr geben und andere Gesellschaften kappten die Geschäftsbeziehungen. Ähnliche Reaktionen wollen die deutschen Manager mit Hinweis auf ihre guten Finanzverhältnisse verhindern. Nach der Bilanz 1986 verfügt die Deutsche Texaco über Rücklagen in Höhe von 467 Millionen Mark und sogar 575 Millionen Mark flüssige Mittel. Mehr als die 446 Millionen Mark, die in der Bilanz als Konzernforderungen ausgewiesen sind, könne die Zentrale auch nicht abziehen, meint Finanzchef Dieter Dräger. „Ein unmittelbarer Zugriff auf die einzelnen Vermögensteile bei uns erscheint uns ausgeschlossen.“ Ein mittelbarer bestimmt nicht: In der größten Not könnte der Konzern den Ableger in der Bundesrepublik verkaufen.

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Ein wohlgeordnetes Haus will er hinterlassen und ein unternehmerisches Vermächtnis dazu. Ende dieses Monats wird sich einer der profiliertesten deutschen Markenartikelunternehmer aus dem aktiven Management zurückziehen: Günter Mast, langjähriger Chef der bisherigen Mast KG in Wolfenbüttel („Jägermeister“), geht in den Aufsichtsrat der soeben gegründeten Aktiengesellschaft.

Mast, der in den siebziger Jahren mit Banden- und Trikotwerbung die heimische Sportwerbung auf Trab gebracht hatte, kreierte mit seiner Unikat-Anzeigenkampagne „Ich trinke Jägermeister, weil...“ den längsten Werbehit der deutschen Werbegeschichte.