Wertvoll im ökonomischen Sinne ist sie nicht, die alte, einmalige Ölschiefergrube Messel nahe Darmstadt; was Wissenschaftler hier an fast einmalig gut erhaltenen Fossilien, an kostbaren Zeugen der Erdgeschichte, seit Jahren ausgraben, läßt sich in Mark und Pfennig nicht berechnen. Bezifferbaren Wert hat sie hingegen für den Landkreis, der nicht mehr weiß, wohin mit dem Müll. Was also liegt näher, als die Grube mit dem Abfall der Gegenwart vollends zu verfüllen, die Vergangenheit im wahrsten Sinne des Wortes zuzukippen?

Daß Not erfinderisch macht, trifft im Falle Messel wahrlich nicht zu. In der kommenden Woche will nun auch die SPD, die lange gemeinsam mit den Grünen sich dagegen wehrte, einer Nutzung als Müllkippe zustimmen. Und kurzfristigkurzsichtig stimmt dann wohl eben, daß eine andere Lösung nicht mehr zu realisieren war.

Ein Teil der Grube, so heißt es, werde danach für Ausgrabungen reserviert bleiben. Was von solchen Versprechen zu halten ist, erledigt sich angesichts der täglichen Müllberge von selbst. Aber was zählt schon Wissenschaft, wenn sie das Wirtschaften stört? Für den Begriff „unwiederbringlich“ ist im Hauptbuch keine Spalte vorgesehen – und im politischen Glossar fehlt er ohnehin. –bi