Müden/Aller

Der Start war für Ingo Rennen nicht gerade ermutigend. „Wasserkraft ist nur etwas für Verrückte“, sagte ihm ein Turbinenbauer, als er sich zum ersten Mal nach den Preisen für Wasserturbinen erkundigte. Doch der 40jährige Techniker aus dem niedersächsischen Müden ließ sich von seinem Plan nicht abbringen: Er wollte sich ein eigenes Wasserkraftwerk bauen. Daß die meisten im Dorf darüber ungläubig den Kopf schüttelten, störte ihn wenig.

Ingo Rennert ist Elektrotechniker – und Kernkraftgegner dazu. „Krümmel-Monster“ nennt er das nahe gelegene Atomkraftwerk an der Elbe, und das klingt liebevoller, als es gemeint ist. Rennen sorgt sich besonders um die kommenden Generationen: „Die Kernkraftwerke strahlen doch noch bis zur nächsten Eiszeit.“ Daß es auch anders geht, will er beweisen, und zwar mit einem Wasserkraftwerk, das umweltfreundlichen Strom liefern soll „auch bis zur nächsten Eiszeit“.

Die Idee ist dem gebürtigen Cuxhavener beim Spaziergang gekommen. Etwa einen Kilometer von seinem Haus entfernt ist er immer wieder am alten Stauwehr der Oker stehengeblieben, dort wo früher das Flußwasser gestaut und durch viele Gräben zur Bewässerung über Wiesen und Acker geleitet wurde. Inzwischen sind die Gräben längst zugeschüttet, die Wasserwerke haben die Bewässerung übernommen. Die Oker wird zwar noch immer gestaut, doch das Wasser stürzt durch die Holzklappen der Staumauer ungenutzt in die Tiefe.

Für Ingo Rennert war das alte Stauwehr eine Herausforderung. Nach Feierabend setzte er sich an seinen Zeichentisch und entwarf Pläne für ein Turbinenkraftwerk. Es sollte nicht nur umweltfreundlich Strom produzieren, sondern auch wirtschaftlich arbeiten. Rennert verglich Turbinentypen, errechnete mögliche Fallhöhen und analysierte die zu erwartende Stromausbeute.

Im letzten Sommer war der Plan fertig, die Rechnung schien aufzugehen. 1,2 Millionen Mark sollte das Kraftwerkshäuschen samt Turbine kosten und dafür jährlich etwa 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom produzieren – genug für 300 Haushalte.

Den mühsamen Weg durch die Genehmigungsbürokratie kürzte Rennert ab: Damit sein Antrag nicht Monate lang über mehr als 20 Schreibtische wandern mußte, kopierte er ihn selbst zwei Dutzend Mal und schickte den zuständigen Stellen je ein eigenes Exemplar. Nach sechs Wochen hatte er alle erforderlichen Stellungnahmen.