Von Anthony Sampson

Genau vor vierzig Jahren, am 18. April 1947, war ich als junger Offizier auf der Motorbarkasse 150 der Royal Navy ein Zeuge der Sprengung von Helgoland. Und während der folgenden Wochen verbrachte ich viel Zeit auf der verlassenen und zerstörten, aber schönen Insel.

Damals hatten Briten und Deutsche noch sehr gegensätzliche Vorstellungen von Helgoland. Für die Briten (in deren Besitz es einmal war, bis es 1890 gegen Sansibar ausgetauscht wurde) war die Insel als wichtigste Basis für Hitlers U-Boote eine große Bedrohung und Ziel zahlloser Bombenangriffe. Für die Deutschen, insbesondere für die Hamburger und Bremer, war sie der Inbegriff der Ferieninsel, eine felsige Wochenendzuflucht, die man auf Butterschiffen über die Elbe erreichte.

Die Sprengung war daher von symbolischer Bedeutung zu einer Zeit, als Briten und Amerikaner zunehmend uneins darüber waren, was sie mit dem geschlagenen Feind anfangen sollten. Sollten sie die industriellen Wurzeln Deutschlands zerstören, um sicherzustellen, daß es sich nie wieder erholen würde? Oder sollten sie Deutschland als entscheidenden Motor für den Wiederaufbau des verwüsteten Kontinents ansehen?

In dem Schutt der Städte gab es Anzeichen einer Genesung. In Wolfsburg wurden ein paar Volkswagen produziert, die dann flugs von den britischen und amerikanischen Besatzungstruppen eingezogen wurden. Leicas gab es für Zigaretten.

Gleichzeitig aber demontierten die Alliierten noch immer militärische Industrieanlagen, und die zerstörten deutschen Städte schienen nicht mehr aufbaufähig. Als ich im Jahr 1947 zum ersten Mal nach Hamburg hineinfuhr, konnte ich es kaum als Stadt erkennen; als einzige Gebäude schienen sich die riesigen Betonbunker über die Trümmer zu erheben, und der einzige Ort der Stadt, in dem sich etwas regte, war das Hotel Atlantic, das den Briten als Offiziersmesse diente – ein warmer, hell erleuchteter Hafen inmitten von Trümmern und Nacht. –

Die Briten betrachteten Helgoland mit seinen drei riesigen U-Boot-Bunkern und einem Labyrinth von Tunneln, die zum Schutz vor den britischen Bomben in den Felsen getrieben waren, als eine gefährliche Ausgangsbasis für einen etwaigen neuen Hitler. Die Inselbewohner hatte man alle evakuiert, und die meisten Häuser und Hotels waren schon bei den Bombenangriffen gegen Ende des Krieges dem Erdboden gleichgemacht worden.