„Gott helfe mir“, seufzte Italiens Innenminister Scalfaro, als ihn Staatspräsident Cossiga am Wochenende mit der Aufgabe betraute, eine neue Regierung zu bilden.

Mitte vergangener Woche war die Fünfer-Koalition des Sozialisten Bettino Craxi endgültig zerbrochen. Die 16 christdemokratischen Minister verließen geschlossen das Kabinett und zwangen Regierungschef Craxi damit zum Rücktritt. Craxi war am 3. März schon einmal zurückgetreten, übernahm aber die Amtsgeschäfte wieder, nachdem der Christdemokrat Andreotti beim Versuch der Bildung einer neuen Koalition gescheitert war.

Vordergründig geht es beim Streit, der jetzt zum Bruch des Bündnisses aus Christdemokraten, Sozialisten, Republikanern, Liberalen und Sozialdemokraten führte, um fünf Volksabstimmungen, die für den 14. Juni angesetzt sind. Dabei sollen die Italiener unter anderem über Detailfragen der italienischen Nuklearwirtschaft abstimmen. Vor allem die Christdemokraten sträuben sich gegen das Referendum, weil sich die Mehrheit der Bevölkerung voraussichtlich gegen die Haltung der DC in diesen Fragen aussprechen wird. Die absehbare politische Niederlage kann sich die Partei vor den im nächsten Jahr anstehenden regulären Parlamentswahlen nicht leisten. Die DC setzt deswegen auf vorzeitige Neuwahlen, die die Volksabstimmung vereiteln würden. Aus den genau entgegengesetzten Gründen beharren die Sozialisten gemeinsam mit den anderen Linksparteien auf der Abstimmung im Juni.

Unabhängig vom aktuellen Streit um die Volksabstimmungen hat die Erosion der Fünfer-Koalition schon vor langer Zeit eingesetzt. Die Christdemokraten sind es herzlich leid, daß ihnen als der stärksten Parlamentsfraktion die Führung der Regierung vom Sozialisten Craxi beharrlich verweigert wird. Nach vier Jahren Craxi – ein italienischer Nachkriegsrekord – dringen sie mit Macht auf einen Wechsel an der Regierungsspitze.

Die Möglichkeit, daß im römischen Parlament eine neue, tragfähige Koalition zustande kommt, gilt jedoch als gering. Die Parlamentsmehrheit ist sich einig, daß es zur nun zerbrochenen Fünfer-Koalition keine Alternative gibt.

Während der christdemokratische Innenminister Scalfaro nach einem Ausweg aus der Regierungskrise suchte, nutzte KPI-Chef Alessandro Nana am Montag die Gunst der Stunde und warb in einem Brief an die Sozialdemokraten, Republikaner, Liberalen, Radikalen und die „Proletarische Demokratie“ für eine Koalition mit seiner Partei.

Obwohl Sozialistenchef Craxi die Möglichkeit eines derartigen Bündnisses vorsichtig andeutete, ist keine der ehemaligen Koalitionsparteien ernsthaft zu einer solchen Verbindung bereit.