ZEIT: Die beabsichtigte Entlassung von mehr als 20 000 Arbeitnehmern der Stahlindustrie hat an der Ruhr viel Unruhe ausgelöst. Eine Untersuchung Ihres Instituts verheißt der Branche auch künftig nichts Gutes. Sieht es wirklich so trübe aus?

Heilemann: Die Schwierigkeiten, die in der Untersuchung angesprochen werden, waren seit Jahren absehbar. Bisher hatte man vielleicht noch die Hoffnung, daß sich die Probleme durch Wachstum in absehbarer Zeit verringern würden, aber nun sind die Wachstumshoffnungen auch mittelfristig etwas gedämpft worden, und dadurch ergibt sich ein Anpassungsbedarf.

ZEIT: Die Kernaussage des Gutachtens ist doch, daß ein klassisches Stahlland wie die Bundesrepublik eines Tages vom Nettoexporteur zum Nettoimporteur wird, also weniger Stahl produziert als verbraucht.

Heilemann: So konkret ist die Aussage nicht, und es wäre gewiß nicht die Kernaussage. Es ist von einem weltweiten Anpassungsbedarf in der Größenordnung von 75 bis 100 Millionen Tonnen, also etwa 10 bis 15 Prozent der Kapazität die Rede. Aber für die Bundesrepublik verliert diese Aussage an Schärfe, weil schon einiges stillgelegt worden ist. Unsere Untersuchung hat wohl deshalb Unruhe ausgelöst, weil viele den Anpassungsbedarf besonders auf die Bundesrepublik bezogen haben.

ZEIT: Die USA sind allerdings schon seit Jahren Nettoimporteur. Die EG dagegen exportiert immer noch, bedeutend mehr Stahl als sie einführt. Ist das eine Folge der hohen Subventionen?

Heilemann: Sicherlich hat der Anpassungsbedarf in der Vergangenheit dazu geführt, daß ein Ventil in der Ausfuhr gesucht wurde. Aber ob die EG oder gar die Bundesrepublik in absehbarer Zeit nun gleich Nettoimporteur werden, das hängt noch von anderen Dingen ab.

ZEIT: Etwa davon, wieviel Stahl die Entwicklungsländer auf den Weltmarkt werfen?