Jedesmal wieder ein kleines Glücksgefühl: Wenn man ein neues „Marbacher Magazin“ in Händen hält, eines jener Hefte, die das Schiller-Nationalmuseum und das Deutsche Literaturarchiv in Marbach zwei- bis dreimal im Jahr herausbringen.

Hefte? Das „Marbacher Magazin“ ist etwas vom Besten, das deutsche Lektoratsstuben, etwas vom Ansehnlichsten, das deutsche Druckanstalten heute zu bieten haben. Natürlich gibt es auch, mit dem „Magazin“ nicht zu verwechseln, die Marbacher Kataloge. Aber während diese die großen Literatur-Ausstellungen und Klassiker-Veranstaltungen begleiten und, der Ehre des Dokumeritendaseins entsprechend, vergleichsweise ernst und bieder daherkommen, krönen die „Marbacher Magazine“ kleinere Sonderveranstaltungen und Ausstellungs-Exkurse, mit denen Dichter der Nebenpfade, Literaten, Exzentriker, esoterische Zeitschriften, literarische Randereignisse und Schnurrpfeifereien jeder Art zelebriert werden.

Begonnen hat das 1976 mit einem Faltblatt über „Goethe und Cotta“, es folgten unter anderem Hefte über „Hölderlin in Tübingen“, „Wilhelm Hauff und der Lichtenstein“, „Die Scherenschneiderin Luise Duttenhofer“, „Berthold Auerbach“, „Berlin Provinz“, „Mörike in Ochsenwang“, „Ottilie Wildermuth“, „Max Kommerell“. Und nun, im zehnten Jahr das vierzigste Büchlein, ein Kleinod vom halbtransparenten Schutzumschlag und Titelaquarell über die Texte, Zitate, Illustrationen und eine farbige Ausklapptafel bis hin zum Lesezeichen, das die Orte der Ausstellungsteile nennt, zur letzten Seite und dem Impressum (wie die meisten der „Marbacher Magazine“ ist auch dieses bei Cantz in Stuttgart gedruckt).

„Gärten in Wielands Welt“ ist das Thema, und wie des Dichters Gartenlust von der frühen Blumenwiese hinterm Elternhaus bis zum Erwerb des großen Landgutes in Oßmanstedt bei Weimar als lebenslang reale Leidenschaft üppig ins Kraut schießt und sich auch, antik stilisiert, in seinem Werk reflektiert, das ist von Heinrich Bock und Hans Radspieler in Text und Bild und Zitat mit Akribie zusammengetragen.

Die „Marbacher Magazine“ haben wechselnde Autoren, aber einen Redakteur: Friedrich Pfäfflin. Beim Münchner Kösel-Verlag schon hatte er begonnen, Hefte herauszugeben, die kein Mensch Prospekt genannt hätte (zum Beispiel zu den Kösel-Ausgaben von Karl Kraus und Rahel Varnhagen). Seit er in Marbach ist, gibt es die „Magazine“. Hier ein Prägedruck, dort ein paar Seiten Werkdruckpapier, hier ein Leporello, dort ein Einkleber, der sich beim Öffnen des Heftes auffaltet, oder Photos zum Selbsteinkleben, und dann der Reichtum der Typographie, die Phantasie des Layouts (das doch nie überkandidelt oder modisch ist): An all dem erkennt man einen ebenso lustvollen wie peniblen Literaturfreund und Büchermacher.

Und natürlich erkennt man an den Themen auch die Vorliebe des Schwaben für seine lieben Landsleute. Die Menschen nördlich der Mainlinie aber möchten darum bitten, daß im zweiten Jahrzehnt auch die Themen oder, zugegeben, raren Dichtertalente ihrer Region etwas öfter ins Licht des „Marburger Magazins“ gehoben werden. („Gärten in Wielands Welt“, bearbeitet von Heinrich Bock und Hans Radspieler, Marbacher Magazin, Marbach 40/1986; 112 S., Abb., 8,– DM)

Petra Kipphoff