Spaghetti-Krieg

„Die neuen Nudeln werden klebrig und sind am Ende meist ein einziger weißer Brei.“ So lautet das vernichtende Urteil von Raimondo Cubadda, Pasta-Spezialist am Italienischen Institut für Ernährung, über die Teigwaren der europäischen Nachbarn. Italiens Spaghetti-Barone sind besorgt. Kaum hat der Europäische Gerichtshof das Reinheitsgebot des deutschen Biers verwässert, schreiten die Luxemburger Richter schon zur nächsten Freveltat. Der italienische Hartweizenspaghetti (immerhin 20 Milliarden Teller verspeisen die Italiener im Jahr davon), nach zehn Minuten stets knackig al dente und durch ein italienisches Reinheitsgebot geschützt, wird nun bald von der weichen Konkurrenz bundesdeutscher und französischer Eiernudeln bedrängt werden – eine Horrorvision für italienische Pasta-Protektionisten.

Trauma

Das tschechoslowakische Filmteam war nach Kambodscha gereist, um einen Liebesfilm zu drehen. „Neun Stufen zur Hölle“ sollte der Streifen heißen – eine tragische Romanze während der Jahre des mörderischen Pol-Pot-Regimes, das 1979 von vietnamesischen Truppen gestürzt wurde. Das Trauma dieser Zeit, in der über eine Million Menschen von Pol-Pots Roten Khmer umgebracht wurden, sitzt tief. Als bei den Dreharbeiten in der Hauptstadt Phnom Penh ein Lastwagen mit als Soldaten verkleideten Komparsen vorfuhr, bewarf ein aufgebrachter Mob die Statisten mit Pflastersteinen: Sie tragen die Uniformen der verhaßten Roten Khmer.

Fliegende Kraftwerke

Die amerikanische Luftwaffe plant ernsthaft, 300 Kernkraftwerke zu je zehn Megawatt Leistung zu beschaffen – also Kleinstkraftwerke, die per Flugzeug zu transportieren sind und im Ernstfall Strom für die vielen Einrichtungen der Air Force liefern sollen. Das Pentagon begründet diesen Wunsch mit der Verwundbarkeit der Großkraftwerke, von denen die vielen Basen bis jetzt Elektrizität beziehen – Verwundbarkeit übrigens nicht nur durch gegnerische Bomben, sondern auch durch Sabotage- und Terrorakte. Notstromaggregate, so wird das Zwanzig-Milliarden-Dollar-Projekt gerechtfertigt, seien vom Kraftstoffnachschub abhängig, der im Kriegsfall nicht gewährleistet werden könne – was für den Transport der Miniplants samt Stahl- und Betonschutz offenbar nicht zutrifft. In den Vereinigten Staaten sind nebenbei seit zehn Jahren keine Kernkraftwerke mehr in Auftrag gegeben worden.

Schwieriger Nachbar

An ihren Besitzungen auf afrikanischem Boden haben die Spanier wenig Freude. Die Spanische Sahara räumten sie kampflos nach dem grünen Marsch der Marokkaner; nun drängt Rabat darauf, den Status der Enklaven Ceuta und Melilla zu verändern – was Madrid mit dem Plan beantwortet, die beiden Städte zum „Teil der spanischen Nation“ zu erklären. Das werde, so droht Marocko, eine „ernste Krise“ auslösen. Ärger gibt es auch um die Kanarischen Inseln, die Rabat zwar ohne Wenn und Aber als Teil des spanischen Staates akzeptiert. Gleichwohl mißfällt dem nordafrikanischen Staat, daß sich viele seiner Bürger finanziell auf den Inseln engagieren – einmal möchte Marokko die Touristenströme an seine Strände lenken, und zum anderen interpretiert es diese Aktivitäten schon richtig: als Mißtrauen in die Stabilität der marokkanischen Wirtschaft.