Ein Spitzengespräch soll helfen, den Tarifkonflikt in der Metallindustrie zu lösen

Werner Stumpfe, der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, und Franz Steinkühler, der Chef der IG Metall, haben ihre erste große Bewährungsprobe zu bestehen. Zu beneiden sind sie nicht, die beiden Männer, auf denen in dieser Woche die Verantwortung für die weitere Entwicklung der Tarifrunde in der Metallindustrie lastete.

Nach über neunzig regionalen Verhandlungsrunden, in denen bisher keine Einigung über die zentrale Forderung nach weiterer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit erzielt werden konnte, war es nun an ihnen, die Weichen zu stellen. Kommt es zum Streik wie 1984, als die Gewerkschaft den ersten Anlauf zur 35-Stunden-Woche machte, oder läßt sich doch noch ein Kompromiß auf dem Verhandlungswege finden? Das waren die Fragen, über die die beiden Spitzenfunktionäre in dieser Woche zu entscheiden hatten.

Die Erwartungen waren hoch. Anders als vor drei Jahren kam das Spitzengespräch zu einem Zeitpunkt zustande, als die Positionen der beiden Lager längst nicht mehr Meilen voneinander entfernt waren. Viele der strittigen Punkte wie Samstagsarbeit, Flexibilisierung der Arbeitszeit und Regelung der Überstunden sind bereits vorgeklärt.

Zudem sind diesmal weder die Gewerkschaft noch der Arbeitgeberverband an einer Kraftprobe interessiert. Ein Streik, der die ohnehin sinkende Konjunktur in der Metallindustrie noch stärker belastet, paßt den Unternehmern überhaupt nicht ins Konzept. Und für die Gewerkschaft könnte ein Ausstand schlimme Folgen haben, weil erstmals die mittelbar von einem Arbeitskampf betroffenen Arbeitnehmer kein Geld mehr von der Bundesanstalt für Arbeit erhalten. Die relativ gemäßigte Wortwahl der Funktionäre, die in den vergangenen Wochen, immer wieder Friedenssignale aussandten, unterstreicht den Eindruck.

Zwar belastete die Anrufung des Schiedsgerichts durch die Arbeitgeber das Klima des Spitzentreffens erheblich. Gesamtmetall wollte nämlich die umstrittene Frage der Friedenspflicht, die nach Ansicht der Unternehmer bis Ende dieses Monats Warnstreiks nicht erlaubt, durch die vertraglich vereinbarte letzte Instanz in Streitfragen noch vor Ostern klären lassen. Doch solche Drohgebärden gehören ebenso zum Tarifgeschäft wie die Ankündigung der Gewerkschaft, ihre Streikvorbereitungen weiter vorantreiben zu wollen.

Beide Seiten wissen genau, daß ihre Vertreter beim Gipfeltreffen in Bad Nauheim zum Erfolg verdammt sind. Sowohl Steinkühler als auch Stumpfe müssen ihren Organisationen erstmals beweisen, daß sie das Zeug dazu haben, mit schwierigen Situationen fertigzuwerden. Von ihrem Verhandlungsgeschick hängt zudem weit mehr ab als der Ausgang dieser Tarifrunde.