Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald...“ Früher stand das Lied auf dem Lehrplan für Erstkläßler. Den Kuckucksruf hat jeder schon gehört – doch wer hat den Vogel je gesehen? Der Kuckuck, einst allgegenwärtig, wenn auch selten sichtbar, versteckt sich und ist mißtrauisch. Weil er obendrein kein Brutvogel ist, also weder ein Nest baut noch Junge großzieht (Ornithologen nennen das „Brutparasit“), hat er die Phantasie der Menschen beflügelt. Da muß beim ersten Kuckucksruf im Frühjahr die Geldbörse schütteln, wer auch die nächsten zwölf Monate bei Kasse bleiben will; Jungfern können bei seinem Ruf erfahren, wie viele Jahre sie noch solche bleiben, die Alten wiederum, wie viele Jahre sie noch zu leben haben. Deutsche Gerichte schließlich machten den Kuckuck zum Wappenvogel der Gläubiger und den Gerichtsvollzieher zu seinem Falkner.

Der Kuckuck ist – hauptsächlich – ein Waldvogel. Er braucht Reviere, in denen Rotkehlchen, Grasmücken, Stelzen, die Pieper, Lerchen, aber auch der Zaunkönig nisten, damit das Kuckucksweibchen in deren Nestern sein Ei ablegen kann. Umstritten war lange, ob das Kuckucksweibchen sein Ei ins fremde Nest legt oder dorthin transportiert. Sicher ist, daß das Weibchen das Ei stets in ein eben begonnenes Gelege bringt, in dem drei oder vier Eier liegen, ein anderes herausnimmt und es fortschleppt. Das außergewöhnlich kleine Kuckucksei, es wiegt nur drei Gramm, hat fast immer die Färbung der Eier des Gastvogels. Der Kuckuck wird etwa amselgroß. Wegen seiner weiten Flügel und des langen Schwanzes wird er oft mit dem Sperber verwechselt.

Jahrhundertelang galt der Kuckuck als dumm, vermutlich, weil er in Gefangenschaft schwer zu halten ist und keinerlei Lehre annimmt, also Erfahrung nicht in verändertes Verhalten umsetzt. Aber ist ein Vogel dumm, der sein Ei in das Nest der Gasteltern so ablegt, daß der junge Kuckuck exakt einen halben Tag vor der anderen Brut schlüpfen muß? Zumindest muß er sich im Verhalten der anderen Vögel auskennen und ein genauer Beobachter sein. In den ersten vier Tagen seines Lebens ist der junge Kuckuck noch blind und mit nichts anderem beschäftigt, als die noch im Nest liegenden Eier oder seine eben geschlüpften Mitbewohner über den Nestrand zu werfen, was ihm immer gelingt.

Der Ruf des Kuckucks ist nur in der Paarungszeit zu hören, von Mitte April bis Mitte Juni. Der Kuckuck verteidigt sein Revier gegen Rivalen, doch die Weibchen lassen sich auf eine Ehe nicht ein. Sie bringen es auf fünf und mehr Verhältnisse zur gleichen Zeit und produzieren etwa fünfzehn Eier. Bei weitem nicht alle werden ausgebrütet, doch es kann vorkommen, daß sich der Bestand von Heckenbraunellen, Stelzen oder Rotkehlchen verringtert, weil es der Kuckuck nicht mehr zur Aufzucht der eigenen Brut dieser Vögel kommen läßt.

Und schließlich: Der Kuckuck ist ein Sommervogel. Er ernährt sich fast ausschließlich von behaarten und teils giftigen Raupen, die von anderen Vögeln verschmäht werden. Schon wenige Wochen, nachdem sein Ruf verstummt ist, etwa Anfang August, zieht er in wärmere Gegenden, und er fliegt allein, nie in Gesellschaft und vorwiegend des Nachts. Ein heimlicher Vogel – und bis heute hat er nicht alle Geheimnisse preisgegeben.