Gegen eine Maschinensteuer zur zukünftigen Finanzierung der Sozialversicherung haben eben erst die Ökonomen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung plädiert Doch ohne rigorose Reformen und rettende Ideen droht der Sozialstaat an Arbeitslosigkeit, technischem Wandel und Überalterung der Bevölkerung zu scheitern.

Von Bert Rürup

Der technologische und sozioökonomische Wandel und die sich daraus ergebenden Folgen für unser System der sozialen Sicherung sind bislang allenfalls als Randbedingungen diskutiert worden. Das ist erstaunlich. Die Verläßlichkeit unseres sozialen Sicherungssystems hängt nämlich unmittelbar vom Beschäftigungsstand und mittelbar vom Verhältnis von Beitragszahlern zu Leistungsempfängern ab. Alle wichtigen Knoten unseres sozialen Netzes halten schließlich nur so lange, wie das Umlageverfahren funktioniert, also die Finanzierung der Kosten der laufenden Wertschöpfung im allgemeinen und – mit wenigen Ausnahmen – aus den Löhnen im besonderen.

Da dem so ist, werden sich für die Zukunft unseres Systems der sozialen Sicherheit folgende Trends als besonders relevant erweisen:

  • Die Arbeitszeit muß verkürzt werden, um der technologisch bedingten Arbeitslosigkeit gegenzusteuern. Unsere hohe Exportabhängigkeit erschwert dabei einen vollen Lohnausgleich.
  • Die modernen Informationstechniken erlauben eine zunehmende Flexibilisierung nicht nur von Fertigungen, sondern auch und gerade von Arbeitszeiten und Arbeitsorganisation. Auch wenn derzeit weite Teile der Gewerkschaften sich (noch) dagegen wehren: Es wird zum Entkoppeln der individuellen Arbeitszeiten von den Betriebslaufzeiten kommen.
  • Der Bedarf an Arbeitskräften ohne Ausbildungsabschluß dürfte sich in den nächsten fünfzehn Jahren von derzeit dreißig Prozent auf unter zwanzig Prozent verringern, während der Bedarf an Hochschulabsolventen von derzeit etwa neun Prozent auf zirka fünfzehn Prozent steigen wird.
  • Die technologiebedingten Veränderungen vieler neuer Arbeitsplätze werden zu einer verstärkten Segmentierung der Arbeitnehmerschaft in hochqualifizierte, hochdotierte Stammbelegschaften auf der einen und weit weniger gesicherte, einer Politik des hire and fire ausgesetzte Randbelegschaften auf der anderen Seite führen.
  • Mit der Digitalisierung unseres Telephonnetzes steigen die Möglichkeiten einer Auslagerung von Arbeitsplätzen, insbesondere Bürotätigkeiten, aus den Betrieben in die Privatwohnungen. Stichwort: Teleheimarbeit.

Aus diesen Trends folgt zweierlei. Erstens: die strikte Lohnbindung der Finanzierung unseres sozialen Netzes taugt nicht mehr und wird ergänzungsbedürftig. Zweitens: Nur über eine Erhöhung der Erwerbstätigkeit der Frauen kann ein programmierter Verteilungskonflikt zwischen jung und alt abgefedert werden. Diese beiden Thesen sollen im folgenden, insbesondere am Beispiel der gesetzlichen Rentenversicherung, erläutert werden.