Belgiens Nordseestrande sind nicht immer so sauber, wie es die Touristikwerbung weismachen will. Eine kürzlich veröffentlichte ökologische Studie hat die Badeorte auf den Verschmutzungsgrad ihrer Meeresgewässer hin untersucht.

Die 67 Kilometer lange belgische Küste ist das wichtigste und ertragreichste Fremdenverkehrsrevier des Königreiches. Jährlich werden dort 15 Millionen Übernachtungen gezählt. Das macht etwa die Hälfte der Gesamtübernachtungszahl Belgiens aus. Allein während der kurzen Hauptsaison sorgen eine halbe Million Touristen für einen Umsatz von umgerechnet zehn Milliarden Mark.

Mit Blick auf diese wichtige Kundschaft hatte das Staatssekretariat für Umweltfragen bisher nur beschwichtigend verlautbart, Baden an der belgischen Küste sei „nur wenig oder überhaupt nicht gesundheitsgefährdend“. Um so peinlicher war es den Umweltschutzbehörden und den Fremdenverkehrs-Verantwortlichen, als vor einigen Wochen ein „Ökologischer Führer“ der belgischen Strände vorgestellt wurde, der ein weniger optimistisches Bild zeichnet. Die „Ecolo-Agalev“-Partei der Grünen Belgiens hatte nach eingehenden bakteriologischen Analysen die Strandgewässer nach dem Grad der Gesundheitsgefährdung katalogisiert.

Knokke, Heist und Albertstrand wurden mit drei Sternchen (Baden ungefährlich) eingestuft. Zeebrügge, Blankenberge, Wenduine und De Haan mußten sich mit zwei Sternchen (Baden wenig gefährlich) zufriedengeben. Weiter unten in dieser Liste rangieren mit jeweils einem Sternchen (Baden bedenklich) Ostende, Bredende, Middelkerke und Oostduinkerke. Eine denkbar schlechte Zensur, jeweils eine Null für „Baden gefährlich“, erhielten Mariakerke, Westende, Nieuwport, Koksijde, Sint-Idesbald und De Panne.

Die Touristikverantwortlichen der betroffenen Seebäder reagierten bisher teils einsichtig, teils empört auf dieses von „Ecolo-Agalev“ erteilte Zeugnis. Tatsache ist, daß besonders in der Hochsaison die Kläranlagen vieler Küstenorte überlastet sind. Daher fließen die Haushalts- und Industrieabwässer ins Meer. Die Absicht der belgischen Regierung, im Ärmelkanal sogenannte „schwimmende Inseln“ zur Lagerung von toxischem Schlamm zu verankern, stellt eine weitere Gefährdung der zusehends als Mülltonne mißbrauchten Nordsee dar.

Nicht zuletzt trägt auch der rege Schiffsverkehr zum ökologischen Siechtum des Meerwassers bei. Belgiens Umweltschützer finden es daher nicht vertretbar, wenn, wie in Zeebrügge geplant, nur hundert Meter von den Erholungsstränden entfernt Anlegestellen für die neuen „Jumbo“-Fähren gebaut werden sollen. Das kürzliche Kentern der „Herald of Free Enterprise“ hat ihrer Forderung nach einer Aufgabe dieses Projektes ungewollten Nachdruck verliehen.

Rob Kieffer