Von Gunhild Lütge

Macht Tatò tabula rasa? So fragen sich besorgt die Mitarbeiter bei Triumph-Adler (TA). Es wäre das Ende einer rund 100jährigen Firmengeschichte. Der Mailänder Francesco Tatò gilt als knallharter Manager. Im September vergangenen Jahres ist er angetreten, um als neuer Vorstandschef bei TA aufzuräumen. Der Wolfsburger Autokonzern Volkswagen hatte seine einst so hoffnungsvolle Tochter TA ausgerechnet an deren italienischen Konkurrenten Olivetti verkauft. Die VW-Manager waren daran gescheitert, den Büromaschinen-Hersteller in Nürnberg zu sanieren. Jetzt fürchten die rund 6800 Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz. Jeden fünften wird es treffen. Das steht schon heute fest.

Auch mit seinen Vorstandskollegen ging Tatö nicht gerade zimperlich um. „Da ich gegenüber dem Hauptaktionär Olivetti alleinverantwortlich bin, entscheide ich auch gern allein“, meint er rigoros und handelte auch danach. Von den ehemals sechs Vorstandskollegen blieben nur noch zwei übrig: Personalchef Rudolf Blank und Entwicklungschef Klaus Fritsch. Am liebsten wäre es Tatö wohl, wenn er allein schalten und walten könnte. Er unterscheidet zwischen Leuten, „die arbeiten und jenen, die zuschauen“.

Zu tun gibt es genug in Nürnberg. Die Lage ist ernster, als die Italiener ursprünglich erwartet haben. Das exportorientierte Unternehmen hat mit dem Dollarverfall zu kämpfen, und in den Lagern stapelt sich unverkaufte Ware. Eine Ware, die es weltweit im Überfluß gibt: Schreibmaschinen. Triumph-Adler macht das Hauptgeschäft damit.

Auch Olivetti, die neue Muttergesellschaft, produziert Schreibmaschinen, und das – im Gegensatz zur erworbenen Tochter – mit ansehnlichem Gewinn. Auch in Italien ist jeder neue Arbeitsplatz willkommen. Schlimmes für die deutschen Jobs lassen die früheren Worte von Carlo De Benedetti ahnen. Der Olivetti-Chef meinte vor vier Jahren selbstbewußt, daß „in absehbarer Zeit wohl einige deutsche Computer- und Büromaschinenhersteller vom Markt verschwinden werden“. Meistens lag er mit seinen Prognosen richtig.

„König Carlo“, wie er ab und zu genannt wird, hat sich mit seinem Gespür für Macht und Märkte ein riesiges Industrie-Imperium aufgebaut. Banken und Versicherungen gehören ebenso dazu wie Nahrungsmittelkonzerne. Seine Unternehmen setzen rund zwanzig Milliarden Mark jährlich um, Olivetti davon allein die Hälfte. Als De Benedetti die Computer-Firma vor knapp zehn Jahren kaufte, war sie noch hoch verschuldet. Nicht wenige Manager und viele Mitarbeiter mußten gehen. Bald warf Olivetti wieder kräftige Gewinne ab.

Sieht der Visionär, wie der Olivetti-Chef auch bezeichnet wird, noch eine Chance, das deutsche Unternehmen zu sanieren, oder soll sein enger Vertrauter Tatò radikal die Fabriken in der Bundesrepublik schließen? Schließlich ließen sich die in Italien produzierten Maschinen auch unter dem eingeführten deutschen Firmennamen gut vermarkten.