Doch dazu ist der Nürnberger Fall zu spektakulär. Triumph-Adler ist eine Firma mit langer Tradition. Ende des 19. Jahrhunderts starteten die Triumph-Werke mit Fahrrädern. Gingen die Geschäfte mal nicht so gut, zeigte sich das Unternehmen höchst flexibel. Freie Kapazitäten wurden mit der Produktion von Zigarettenmaschinen, Operationstischen, Fahrstühlen und Drahtmatratzen ausgenutzt. Besonderen unternehmerischen Mut bewies das Management 1903: Gleichzeitig mit Wanderer, NSU und Adler bot es das erste Motorrad an, ein verstärkter Fahrradrahmen mit einem Viertaktmotor. Sechs Jahre später probiert das Unternehmen wieder etwas Neues. Diesmal waren es Schreibmaschinen.

Die erfolgreiche Zweirad-Geschichte des Unternehmens beendete Max Grundig. Als er 1957 das Unternehmen übernahm, stellte er die Produktion von Fahrrädern und Motorrädern ein. Die wachsende Popularität des Autos hatte Triumph vor das erste große Strukturproblem gestellt. Grundig konzentrierte sich ganz auf das Geschäft mit den Tippgeräten. 1969 verkaufte er dann seine Mehrheitsbeteiligung an die Litton Industries Inc. in Kalifornien. Zuvor führte er noch die Triumph-Werke und Adler zusammen.

Zwei Jahre später machte das Unternehmen mit seinem Volkscomputer TA 10 Schlagzeilen. Es sah ganz so aus, als ob sich der ehemalige Fahrradproduzent zum High-Tech-Unternehmer mauserte. Das glaubte auch VW-Finanzchef Friedrich Thomee. Schon länger suchte er nach einem Unternehmen in der zukunftsträchtigen Elektronikbranche. Er kaufte TA vom US-Konzern Litton zurück und wollte damit ins vielversprechende Computergeschäft einsteigen. Thomée war sicher, „eine Perle der deutschen Datenverarbeitung gekauft zu haben“. Der Finanzchef irrte.

Das Know-how in Sachen Elektronik hielt sich bei TA in Grenzen. So entstand zum Beispiel der legendäre Volkscomputer TA 10 nicht im eigenen Haus, die Entwicklung wurde dem Konstanzer Tüftler Otto Müller abgekauft. Das Geschäft mit Computern kam nie so recht voran. Es bescherte TA nur Riesenverluste. Der Versuch, eigene Systeme zu entwickeln und gegen die mächtigen Konkurrenten IBM, Siemens, Nixdorf und nicht zuletzt Olivetti anzutreten, ging schief. Man verstrickte sich in zu vielen Projekten. Forschung und Entwicklung verschlangen zwar Millionen, aber die Kunden blieben aus. Die TA-Händler taten sich schwer, die erklärungsbedürftigen Produkte zu verkaufen. Hoffnung wurde zum Prinzip.

„Wir arbeiten doch in einer Wachstumsbranche“, glauben die Gewerkschafter noch heute. Für die Schreibmaschine stimmt das allerdings nicht. Das Geschäft stagniert in den kommenden Jahren, darf man den Prognosen der Branchenforscher glauben. Und weltweit gibt es Überkapazitäten und einen starken Wettbewerb – vor allem aus Japan. Noch eines kommt hinzu: Zur Produktion werden immer weniger Menschen benötigt. Zweieinhalb Leute bauen heute eine Maschine, für die 1961 noch 22 gebraucht wurden.

Gewerkschaft und Betriebsrat stecken in einem Dilemma. Sie wissen, „daß zu viele Mann an Bord sind“, und möchten möglichst eine „weiche Landung“ – ohne Kündigungen. Die vergangenen Wochen zeigen, so meinen sie, daß der Personalabbau über freiwilliges Ausscheiden mit Abfindungen und einer vorzeitigen Vorruhestandsregelung klappen könnte. Doch Tatò geht das offensichtlich nicht schnell genug. Vor Gericht streitet man sich mittlerweile, ob bis zu einem verabschiedeten Interessenausgleich bereits betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden dürfen. „Wir wollen diese Eskalation nicht“, so IG-Metall-Mann Ruppert, „aber wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz. “

TA produziert außer in Nürnberg auch in Frankfurt, Berlin und Schwandorf. Die Nürnberger fühlen sich besonders betroffen. Hier sind nämlich die Computeraktivitäten konzentriert. Und auf diesem Gebiet kommen sich Mutter und Tochter besonders in die Quere. Auch wenn Tatö betont, daß mittlerweile „ein starkes Know-how im Computerbereich entwickelt“ wurde, liegt wohl nichts näher, als sich von der verlustreichen Produktion zu trennen und sich auf die Verbesserung der Schreibsysteme zu konzentrieren.