Donnerstag, 23. April, 21.45 Uhr: „Beruf: Schauspieler heute – Film mit Günter Lamprecht“ von Herbert Hoven

Schöner Gigolo, armer Gigolo...“ singt da einer ohne Pathos in der Stimme. Günter Lamprecht liebt das Unprätentiöse, wenn er singt, wenn er einen Clown, weiß geschminkt mit ernst-trauriger Miene, darstellt.

So gibt er sich auch im Gespräch. Während hinter ihm auf dem Monitor des Schneidetisches Bilder von seiner Film- und Fernsehkarriere zu sehen sind, beginnt er ohne Umschweife seine Gedanken über den Schauspielernachwuchs von heute zu formulieren: Abitur, Schauspielschule, Bühne (wenn denn den jungen Eleven das Glück eines Engagements hold ist), das findet er zu geradlinig. „Sie sollten sich erst mal die Hörner abstoßen.“ Wie er, könnte man hinzufügen. Sein Weg zum Schauspieler war, schon durch seine Herkunft (in Berlin am Alexanderplatz wuchs er als Sohn eines Taxichauffeurs auf), von Umwegen und Zufällen bestimmt. Aber gerade seine Erfahrungen in verschiedenen Berufen, mit Menschen unterschiedlichen Schlages lassen ihn, wenn er spielt, aus einem reichen „Fundus“ schöpfen.

Während seiner Ausbildung an der Berliner Reinhardt-Schule erkannte man sein Talent: Als „plebejischer“ Typ wirkte er am eindringlichsten. Heute, mehr als dreißig Jahre nach seinem Debüt am Berliner Schiller-Theater, ist es ihm am liebsten, Volksschauspieler genannt zu werden. Das Attribut „gut“ freilich sollte nicht fehlen, denn Lamprecht würde niemals Mediokres abliefern, auf der Bühne nicht, nicht in Film und Fernsehen.

Auch für die in manchen Kreisen nicht eben hochangesehenen Serien gibt er sein Bestes, arbeitet unter extremen Bedingungen, hat manchmal „unheimliches Lampenfieber“. Für die Serie über den Zirkus Roncalli, deren Dreharbeiten die Kamera ein Stück weit verfolgt, arbeitete er zehn Stunden täglich, wohnte an traurig-trüben Plätzen unserer Vorstädte, lebte zugleich auf Isolier- und Intensivstation, wie er seinen Wohnwagen nennt.

Doch körperliche Strapazen, oft bis zum Rande der Erschöpfung, gehören für ihn zum Beruf des Schauspielers. Nichts liebt er mehr als das Risiko. Das Leben als Stillstand, für ihn wäre das undenkbar.

Lamprecht ist ein Schauspieler, der mit seinem Körper spielt. Das hat ihn letztlich auch weggetrieben von der Bühne. Die vielen Klassiker sind ihm auf die Nerven gegangen, weil „körperlich überhaupt nichts passierte“. Als er 1985 im Freilichttheater von Schwäbisch Hall den „Jedermann“ spielte, hat er aus der allegorischen Figur einen realen Menschen gemacht. Das ist seine Stärke: ob als Kraftmensch in dem 1982 entstandenen Film „Milo Barus, der stärkste Mann der Welt“, der nur wenige Wochen in unseren Kinos lief, ob als Alkoholiker in Peter Beauvais’ Fernsehfilm „Rückfälle“.