Anmerkungen zu einer Festgabe für Martin Broszat

Von Joachim H. Knoll

Festschriften und Festgaben – in letzteren sind zumeist Aufsätze des zu Ehrenden versammelt –‚ sind entweder Lobeshymnen auf einen Zeitgenossen, dem unser kalendarisches und dekadisches Bewußtsein eine herausgehobene Stellung zuweist, oder die Versammlung von Schubladenweisheit, die notdürftig auf den Jubilar hin umgeschrieben wird. Der 60., der 65. Geburtstag, mit diesem Datum wird heute die schon fast routinierte „Zwangs“emeritierung vollzogen, auch die nachfolgenden Geburtstage und Wendepunkte bieten Anlaß, das „Lebenswerk“ zu rühmen oder sich selbst im Lichte des Jubilars zu spiegeln. Sind also derlei publizistische Hervorbringungen überflüssig? Ich meine, nicht, wenn man den inhaltlichen Ertrag bedenkt, der in solchen Zusammenstellungen versammelt sein kann. Gerade in Festschriften kann man viel Gescheites finden, das einer breiten wissenschaftlich interessierten Öffentlichkeit oft nicht bekannt wird. Doch sind Festschriften zugleich, so könnte man überspitzt behaupten „Begräbnisse erster Klasse“; und zwar für Artikel, die es lohnen würden, beachtet und bedacht zu werden, sie bleiben vielfach in der wissenschaftlichen und öffentlichen Disputation unberücksichtigt.

Und ein weiteres verursacht Ärgernis: Die Vorworte, die laudationes lesen sich nur allzuoft in der Art „letzter Worte“ als eine Art vorweggenommener Nekrolog. Da wird die Berühmtheit und Außerordentlichkeit hervorgekehrt, als habe der Sechzigjährige keine Zukünftigkeit mehr, als seien Leben und Lebenswerk zu einem Endpunkt gekommen, das weiterführende Produktivität allenfalls noch für fünf Jahre gestatte.

Aber Festschriften können gewiß auch anders veranstaltet werden. Dies zeigt sich an der Festgabe für Martin Broszat zu dessem 60. Geburtstag, an der einzig die vollmundig und im Lobpreis überzogene „Vorbemerkung“ stört:

Nach Hitler – Der schwierige Umgang mit unserer Geschichte. Beiträge von Martin Broszat – herausgegeben von Hermann Graml und Klaus-Dietmar Henke; R. Oldenbourg Verlag, München 1986; 326 S., 48,– DM

Broszats Aufsätze fügen sich gleichsam zu einer Systematik der Zeitgeschichte zusammen, die zwischen Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft angesiedelt ist und die die positionelle Eindeutigkeit gegenüber der Tagesaktualität keinesfalls ausspart. Daß Zeitgeschichte in der Form, wie sie Broszat und das von ihm geleitete Institut für Zeitgeschichte in München kultiviert haben, eine klärende und sinnstiftende Funktion wahrnimmt, ist von den Herausgebern nachdrücklich unterstrichen worden.