Der Karrierediplomat Jean-Bernard Raimond war zuletzt Botschafter in Moskau, bevor ihn vor Jahresfrist der gaullistische Premierminister Jacques Chirac und der sozialistische Präsident François Mitterrand zum Außenminister beriefen. Raimond gehört wie Chirac und der mächtige Finanz- und Wirtschaftsminister Edouard Balladur zur Gruppe der ehemaligen Mitarbeiter von Georges Pompidou, die jetzt in Paris den Ton angeben.

Der Außenminister Raimond hat nun zwei Vorgesetzte und kein leichtes Amt. Inder Außen- und Sicherheitspolitik hat stets der Präsident das letzte Wort, und doch möchte auch der Premierminister zur Geltung kommen. Auf Gorbatschows Vorschlag einer Null-Lösung bei den Mittelstreckenraketen reagierte Raimond zunächst mit äußerster Skepsis, während Mitterrand es vorzog, kulantere Töne anzuschlagen und die Solidarität mit den europäischen Verbündeten in den Vordergrund zu stellen.

Trotz dieser taktischen Nuancen bleiben in Frankreich jene Stimmen am lautesten, die vor den Gefahren der Abrüstung warnen. Nach einer „Denuklearisierung“ Europas und dem Rückzug aller amerikanischen Atomwaffen wären die Europäer in erster Linie auf sich selbst angewiesen – eine Stunde der Wahrheit in den deutsch-französischen Beziehungen und in den Bemühungen um eine europäische Verteidigungsgemeinschaft. Im Gespräch mit der ZEIT legt Raimond dar, daß die regierenden Konservativen in Frankreich keine großen Veränderungen und Durchbrüche in der verteidigungspolitischen Zusammenarbeit anstreben.