Unternehmen finden keine neuen Standorte in Bayerns Metropole

Von Hermann Bößenecker

Was München macht, ist nicht begreifbar“, erregt sich Bayerns Finanzminister Max Streibl. „Die ganze Welt lacht über die Politik im Münchner Stadtrat.“ Und Streibls Herr und Meister, Ministerpräsident Franz Josef Strauß, beklagt die „wirtschaftsfeindliche Politik der Landeshauptstadt“.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Traditionsfirma Löwenbräu, Anton Schwarz, fand es „erschreckend, daß die vieldiskutierte und von der Industrie immer geforderte Arbeitsplatzsicherung oder gar die Neuschaffung von Arbeitsplätzen niemanden mehr zu interessieren scheint“. Schwarz hat jahrelang fast verzweifelt nach einem neuen zukunftsgerechten Standort in München gesucht. Mit zwei Projekten scheiterte er am Widerstand der Stadt und der Regionalplaner. Am alten Platz hat Löwenbräu währenddessen dringend nötige Investitionen unterlassen.

Ist Bayerns Metropole dabei, ihre angestammte Industrie zu vergraulen, indem sie Erweiterungspläne abwürgt und Neuansiedlungen abblockt, um die sich andere Städte reißen würden? „Bald wird’s wohl heißen: Nichts geht mehr“, sorgt sich die Industrie- und Handelskammer.

Die Industriestadt München platzt aus allen Nähten. Nicht weniger als 500 Betriebe quer durch alle Branchen suchen einen neuen Standort und haben das Wirtschaftsamt um Hilfe gebeten. Im ganzen haben sie einen Flächenbedarf von 260 Hektar angemeldet. Derzeit beschäftigen diese Firmen 22 500 Mitarbeiter, nach dem Ausbau wollen sie auf über 37 000 kommen. Zwar relativiert das Wirtschaftsamt diese Zahlenvorstellungen: „In vielen Fällen handelt es sich um eine optimistische Selbsteinschätzung der Betriebe.“ Doch ändert dies nichts daran, daß sich der reklamierte Flächenbedarf seit 1983 mehr als verdoppelt hat. Vor allem Großbetriebe suchen Gelände. In vier Fünfteln aller Fälle ist ein Standortwechsel oder eine Teilverlagerung innerhalb Münchens geplant, wobei neben Expansionsabsichten Umweltprobleme am alten Platz eine erhebliche Rolle spielen. Nur zehn Prozent der Betriebe wollen von außerhalb zuziehen.

Noch vor gar nicht so langer Zeit hatte der SPD-Oberbürgermeister Georg Kronawitter die Abwanderungsgelüste alteingesessener Münchner Firmen, ihre Pläne für neue und zukunftsgerechte Standorte in der Region, recht gelassen hingenommen: Die Entlastung des engeren Ballungsraumes München könne nicht schaden. „Ich halte es für kein Unglück, wenn sich etwa die Firma Siemens in Poing oder Oberschleißheim bedient“, pflichtete ihm Stadtbaurat Uli Zech bei.