„Atomic Hero“ von Michael Herz und Samuel Weil

Er habe den Film auf einem Schrottplatz gefunden, sprach Godard, als sein Meisterwerk „Week-End“ herauskam. Das war vor 20 Jahren. Auch heute noch findet man Filme an den unmöglichsten Orten. „Atomic Hero“ kommt direkt von der Sondermülldeponie: Die Story gehört ins Endlager für verbrauchte Genre-Muster, die Charaktere sind vom Schwachsinn verseucht, der Humor ist ätzend, die Dialoge sind giftig, und kontaminiert ist auch die Moral: Don’t wait, mutate now! Der Zuschauer aber strahlt – vor Vergnügen.

Einst war Melvin ein schmächtiges, verklemmtes Bürschchen, ein richtiger Versager. Er putzte die Klos im Fitneßstudio, von den Männern verachtet, von den Frauen verlacht. Dann fiel Melvin in ein Faß voller Giftmüll. Melvin badete im Dreck wie Siegfried im Drachenblut und Obelix im Zaubertrank. Als er dem Bade entstieg, war Melvin zum Monster mutiert. Seither sind die Umweltsünder, die korrupten Politiker, die Schläger und Kinderschänder nicht mehr sicher. Denn Melvin ist ein gutes Monster. Das Böse haßt er wie die Pest. Sogar ein Mädchen kriegt Melvin jetzt: die süße Sara ist blind und braucht sich deshalb nicht ekeln vor Melvins Beulen, Pusteln und Ekzemen. Nicht Satire, sondern Recycling haben die Regisseure im Sinn: Wenn die alten Geschichten verbraucht und zerfallen sind, dann braucht man sich über sie nicht lustig zu machen, vielmehr kann man mit einfachen Mitteln das letzte Quentchen Wahnsinn herauspressen. „Atomic Hero“ ist ein billiger, schmutziger, absolut geschmackloser Film. Genau das Richtige also für jene Zuschauer, die mit dem Zeitgeschehen Schritt halten wollen: Wir sind alle Mutanten.

Leider haben die giftigen Dämpfe auch den deutschen Verleiher benebelt: Warum wurde aus dem Toxic Avenger, dem giftigen Rächer des Originals, in der deutschen Fassung ein „Atomic Hero“? Mutationen überall. Claudius Seidl

„Peng! Du bist tot“ von Adolf Winkelmann

Alles ein bißchen viel: Krimi und Komödie, Agententhriller und Horrordrama, love story und Farce. Alles ein bißchen zu viel, und deshalb am Ende auch alles viel zu wenig.

Adolf Winkelmann begann mit kleinen Abenteuerfilmen aus der Provinz: mit ein paar Westfalen als tough guys und dem Ruhrgebiet als Wildem Westen. Vor drei Jahren wagte er dann eine große Kinovision: in „Super“ gab er einigen Endzeitgeschichten eine betont unwirkliche Aura; so blieb – sehr dicht und spannend – allein die Wirklichkeit seiner Geschichten.