Die Exporte sinken, doch die Donaurepublik bleibt bei ihrer harten Währungspolitik

Die Klagen häufen sich. Österreichs Betriebe haben Exportschwierigkeiten. Der Schilling, gekoppelt an die Mark, steht hoch im Kurs. Angesichts rückläufiger Ausfuhren fragen sich die Österreicher jetzt, ob ihre Währung nicht vielleicht zu hoch bewertet ist.

Wenn sich Österreich schon den harten Schilling leiste, so tönten dieser Tage wichtige Industrievertreter, müßten die Gewerkschaften bei der nächsten Lohnrunde äußerste Zurückhaltung üben. Am besten wäre es, so schlugen sie vor, die Arbeitnehmer stimmten – sozusagen als Opfer für den Export – gleich einer Null-Lohnrunde zu, damit kostengünstiger produziert werden kann.

Das war das erste Vorgeplänkel zu den herbstlichen Tarifrunden. Wie zu erwarten, antworteten die Gewerkschafter sofort mit einem entschiedenen Nein. An der österreichischen Währungspolitik wird sich trotzdem nichts ändern, darüber herrscht seit vielen Jahren Konsens zwischen allen politischen Lagern. Der Schilling hat in der Vergangenheit stets die Aufwärtsbewegungen der Mark mitgemacht und damit nicht nur gegenüber dem US-Dollar, sondern auch den meisten europäischenWährungen kräftig an Wert zugelegt Österreichs Importe haben sich dadurch verbilligt Das war erfreulich für das Land, doch Waren made in Austria wurden für die ausländischen Käufer gleichzeitig teurer.

Die Exportzahlen dieses Jahres scheinen nun auf den ersten Blick die Österreicher für ihren harten Währungskurs zu strafen. Die Lieferungen in fast alle außereuropäischen Länder gingen stark zurück. Gegenüber den Vereinigten Staaten und den Ostblockländern hat Österreich Rückgänge von rund sechzehn Prozent hinnehmen müssen. Die Lieferungen in die einst so vielversprechenden erdölexportierenden Opec-Länder sackten gleich um fast vierzig Prozent ab.

Einziger Lichtblick war Westeuropa. Die Ausfuhren in die Länder der Europäischen Gemeinschaft konnten gesteigert werden, ein Grund mehr für die Österreicher, davon überzeugt zu sein, daß allein die EG wirtschaftlich für die Alpenrepublik eine solide Basis abgeben kann.

Die feste Bindung des Schilling an die Mark war in den vergangenen Jahren stets so etwas wie ein wirtschaftspolitisches Dogma. Sieben Schilling für eine Mark war die Formel, an der nie gedeutelt wurde und an der man wohl auch in Zukunft festhalten wird. Österreich ist nämlich mit der Bundesrepublik wirtschaftlich so eng verflochten, daß ein Abgehen von dieser Linie weitreichende Folgen hätte.