Konfirmationsfeiern sind irgendwie netter geworden – und die Präsente können sich sehen lassen

Für den Übergang vom Kindesalter zum Erwachsensein haben sich die meisten Völker etwas ausgedacht: Riten, Tänze, Freudenfeste aller Art. In Mitteleuropa war der Eintritt ins etwas reifere Alter lange Zeit verbunden mit einem Stück kratzigen dunklen Tuchs. Unbequem und auf Zuwachs gekauft, gab der Konfirmationsanzug einen Vorgeschmack auf spätere Zwänge: So würde es also sein. Mädchen sahen fremd aus im schwarzen Seidentaft, wenn es dabei auch, das soll nicht verschwiegen werden, positive Aspekte gab: Von da an durfte man Seidenstrümpfe tragen, ohne als flotter Flitzer zu gelten.

Die Kleidung war ja immer so ein Dollpunkt, auch später, als die Firmung im christlichen Glauben oft genug an der Forderung „Entweder ich geh in Jeans, oder ich laß mit nicht konfirmieren“ zu scheitern drohte. Heute nun haben wir da eine enorm entkrampfte Situation. Einerseits machte die Kirche offiziell Zugeständnisse ans textile Wohlgefühl der Konfirmanden, andererseits ist unsere Bekleidungsindustrie mächtig innovativ tätig gewesen. In eigens eingerichteten Abteilungen der Kaufhäuser hängen dezent gemusterte Hosen, weiche Blazer, blaue Pullover zum Weitertragen. Mädchen haben Spaß an verspielten Spitzenkragen und gehen gern in feierlichen dunklen Roben – ein Konfirmationsstaat zum Schönmachen.

Ob die Aufhellung der ganzen Angelegenheit nun mit der Lockerung der Kleiderordnung zusammenhängt oder wie von ungefähr auf eine allgemeine neuhochdeutsche Lust am Feiern trifft, ist schwer zu sagen. Wer sich umschaut, wird jedenfalls leicht feststellen: Konfirmationfeiern sind irgendwie netter geworden. Das fängt schon beim Wetter an. Seit die Einsegnung von der Schulentlassung abgekoppelt wurde, braucht sich niemand mehr durch den kalten Märzwind zum Kirchenportal zu kämpfen. Die Termine zur Maienzeit haben sich ohne Zweifel positiv auf die Gesamtstimmung ausgewirkt, wenn sie auch nicht ohne Folgen für die Präsente blieben: Azaleen zum Beispiel, mit denen man früher die Konfirmationen in der gesamten Nachbarschaft bewältigen konnte, fallen seitdem für solche Zwecke aus. Überhaupt ist das ganze Gebiet der Geschenke einem deutlichen Wertewandel unterworfen.

Was braucht der junge Mensch auf der Schwelle zum Erwachsenwerden? Er braucht keine Sammeltassen mehr und kein aufbauendes Buch über Albert Schweitzer, kein Nagelnecessaire und nichts für den Lebensweg in Form einer Gedichtesammlung, auch keine goldene Uhr. Es ist heute durchaus üblich, Geld zu schenken, sagen die Pastoren, gerade dort, wo sich die Jugendlichen sonst keine großen Wünsche erfüllen können. Vor ein paar Jahren war das Mofa so ein Rundum-Geschenk, heute ist es der Stereo-Turm, als Renner von morgen prophezeien Fachleute den Computer. Schmuck und Silber werden gern gegeben, Lexika, der erste Koffer, ein Stück fürs Zimmer, ein Photoapparat – gefallen soll es dem Kind, möglichst lange Zeit, vor allem aber gleich.

Was Wunder, daß die Einsegnung jetzt manchmal wie eine entspannte, dem Konfirmanden äußerst zugewandte Party aussieht. Schon laden nach unserer genauen, statistisch aber überhaupt nicht untermauerten Beobachtung die Hauptpersonen diesen oder jenen Schulkameraden zur Familienfeier ein. Absolute Neuerer bitten Verwandte und Freunde zum Brunch gleich nach dem Kirchgang oder planen eine Rallye am Nachmittag.

Grämen müssen wir uns über so eine Entwicklung nun gar nicht. Erstens wegen der christlichen Fröhlichkeit schlechthin. Und zweitens wegen der Projektgruppe Glaubensinformation. Die findet in ihren „Briefen an Konfirmandeneltern“ auch einen Schwimmausflug der Festgesellschaft durchaus in Ordnung. Ulla Plog