Allenfalls gemischte Freude über einen Freispruch: Immerhin wurde der Duisburger Industrielle Jörg Alexander Henle vom Vorwurf entlastet, er habe im Zusammenhang mit Parteispenden Steuern hinterzogen. Die Strafkammer hielt für nicht erwiesen, daß Henle wußte, wohin seine an die „Staatsbürgerliche Vereinigung“ und andere Waschanlagen gezahlten Spendengelder in Wahrheit fließen sollten und geflossen sind – nämlich an die CDU und die FDP. Ihm hatten die Partei-Schatzmeister keine Dankesbriefe geschrieben. Bei solch dürftiger Beweislage war der Mann nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ freizusprechen.

Wenn aber Henles Einlassung, er habe nichts gewußt, nicht nur unwiderlegbar, sondern wahr ist, so wäre er das Opfer eines von den Spendenwerbern zweier staatstragender Parteien zu verantwortenden Millionenbetrugs geworden: Die „Vortäuschung falscher Tatsachen“, wie sie der Betrugstatbestand verlangt, liegt nämlich auch im Nähren und Aufrechterhalten des Irrtums beim Geldgeber, seine Spende sei wirklich für den als gemeinnützig getarnten Erstempfänger bestimmt, dem er sie gibt. Nur mit einer Strafanzeige könnte Henle da noch Klarheit schaffen und seinen zweitklassigen Freispruch womöglich in einen erstklassigen verwandeln. H. Sch.