Erlangen

Wild wie eine Raubkatze ist sie nicht, auch wenn sie an ihrer Bluse einen Sticker mit Panther-Emblem trägt. Statt ihre Krallen zu zeigen, tritt sie lieber behutsam, gleichsam mit Samtpfoten, auf und will vor allem eines: verhindern, daß „alte Menschen eine immer größere Randgruppe werden“.

Lotte Krieger ist Erste Vorsitzende des Seniorenschutzbundes (SSB) „Graue Panther“ in Erlangen, eine von vier bayerischen Landesbeauftragten des SSB und seit kurzem auch im Bundesvorstand dieser gemeinnützigen Organisation vertreten. Die Übernahme von Pflegefällen, Beratungsgespräche, die Betreuung von kranken alten Menschen, aber auch Podiumsdiskussionen oder Studienfahrten – das sind nur einige der Aufgaben, die der seit zweieinhalb Jahren in Erlangen aktive Schutzbund bisher mit Fortüne anging. Und bei soviel Engagement und erfolgreicher Arbeit glaubte Lotte Krieger, ein Recht darauf zu haben, im rund 20köpfigen Seniorenbeirat der mittelfränkischen Kommune, dem vom Stadtrat berufene Vertreter von karitativen Verbänden, Altersheimen und Seniorenklubs angehören, ebenfalls Sitz und Stimme zu erhalten.

Die rüstige 70jährige glaubt das immer noch, obwohl sie nach der letzten Sitzung dieses seit 1974 bestehenden Gremiums, das die Stadt im Bereich der Altenhilfe berät, „total betrübt und bedrückt“ war. Sie ist seither aber skeptischer als zuvor.

Im Februar vergangenen Jahres beantragte die Erlanger SSB-Vorsitzende, den „Generationenbund“ (Slogan: „Heute wir, morgen ihr“) in den Beirat aufzunehmen. Sie versprach sich davon eine bessere Kooperation mit den anderen in der Altenarbeit tätigen Vereinen. Auf eine Antwort wartete sie bisher vergeblich. Als kürzlich über den von der Verwaltung befürworteten Antrag im Seniorenbeirat entschieden werden sollte, tauchte ein Brief von sechs in diesem Gremium tätigen Altenklub-Leiterinnen auf, in dem Bedenken gegen die Aufnahme des Schutzbundes geäußert wurden. Ein mißverständlicher Satz im Schreiben des SSB und auch die erfolgreiche Bundestagskandidatur der parteilosen Trude Unruh, Bundesvorsitzende der etwa 20 000 Mitglieder zählenden „Panther“, auf der Liste der Grünen wurden heftig kritisiert.

Die selbstbewußte Aussage in Lotte Kriegers schriftlichem Antrag, daß es neben den „Grauen Panthern“ in Erlangen „keinen einzigen Verein weiter gibt und geben wird, der sich unabhängig, voll und ganz für die ältere Generation einsetzt“, sei angesichts der bisher geleisteten Arbeit ein „Affront gegen die städtischen Dienststellen“ und eine „ungeheuerliche Unterstellung“, empörten sich die sechs Altenklub-Leiterinnen. Die angebliche „Unabhängigkeit“ des SSB sei nach Trude Unruhs „Stimmenfang“ für die Grünen äußerst fragwürdig geworden. Statt mit sachlicher Zusammenarbeit müsse bei einer Aufnahme der „Grauen Panther“ in den Seniorenbeirat in der Altenarbeit mit einer „Radikalisierung“ gerechnet werden.

Der Brief verfehlte seine Wirkung nicht. Eine Abstimmung über den Antrag wurde deshalb bis zum nächsten Treffen erst einmal verschoben. Bis dahin soll ein Kontrollausschuß die Aktivitäten des Seniorenschutzbundes unter die Lupe nehmen. Ein Vorgang, der manchen in der mittelfränkischen Universitätsstadt an „Gesinnungsschnüffelei“ erinnert, zumal die Erlanger SSB-Vorsitzende jetzt auch noch einen genauen Tätigkeitsbericht vorlegen soll. Zwar hat der Beirat in der Sache nicht das letzte Wort, sondern empfiehlt dem Kommunalparlament lediglich die Aufnahme neuer Kandidaten, doch bisher folgten die Stadträte in der Regel den Vorstellungen der städtischen Senioren-Versammlung.