Was lehrt uns eine „Aktuelle Länderkunde“? In der „Beck’schen Reihe“, die philosophische und psychologische, politische und historische Themen sammelt, sind unter diesem Titel 1987 zu Preisen zwischen 16,80 und 19,80 Mark bereits vier Taschenbücher erschienen. China und Indochina hat der Wissenschaftler Oskar Weggel erkundet, aus Griechenland berichtet Baldur Bockhoff, ehedem Griechenlandkorrespondent. Portugal beschreibt ein im Land lebendes Lehrer-Ehepaar, Gudrun und Alexander Decker. Sie alle interpretieren die „Aktuelle Länderkunde“ auf unterschiedliche Art.

Fangen wir beim Aktuellen an. Der Portugal-Band beginnt mit der Historie, erzählt die „große Geschichte einer kleinen Nation“. Schnell in die Frühzeit führt auch das Hellas-Buch: Olympia, Odysseus und Byzanz rangieren als Themen auf vorderen Plätzen. Dazwischen, wie verloren, ein moderner Märchenprinz: Aristoteles Onassis.

Nur die beiden Fernost-Bände schieben das Versunkene in jenen Hintergrund, der ihnen allein als Platz zur Erhellung von Gegenwärtigem gebührt. In seinem China-Porträt stellt Weggel sinnvollerweise die Bauern in den Vordergrund, im Indochina-Pendant zeichnet er zunächst die „Eigenprofile“ von Vietnam, Kambodscha und Laos – am Beispiel von Produktion und Lebensweise, von Familie, Staat und Volkskultur.

Schwankende Vorstellungen haben die Autoren auch sonst von der Aktualität. Der Griechenland-Band schwelgt im Geschichtlichen und Zeitgeschichtlichen, preßt die Gegenwart in die Kapitel „Kultur zwischen Tradition und Moderne“ und „Segen und Fluch des Tourismus“ und findet erst im Nachwort mit der ominösen Überschrift „Das Land will geduldig erfahren sein“ zu jener Form, die am besten zur Gegenwart paßt: zur Reportage, zum Stimmungsbild.

Diese vermögen wohl am farbigsten zu schildern, was gerade los ist in einem Land. Doch das Genre ist leider nur sehr spärlich vertreten in der Reihe, die braven, gewissenhaften Abhandlungen über Klima und Vegetation, Verkehrswesen oder staatliche Mechanismen dominieren.

Trotz solcher Schwächen eignen sich die „Aktuellen Länderkunden“ von Beck gut als Einstieg in Reisen, bei denen nicht das Abhaken von Sehenswürdigkeiten im Vordergrund steht. „China“ und „Indochina“ unterlassen es völlig, durch die touristische Linse zu schielen, der Griechenland-Band setzt sich sehr kritisch mit dem Phänomen Fremdenverkehr auseinander, lediglich das Portugal-Buch meint, zwei Seiten konventionelle Ratschläge für Urlauber nicht missen zu können. iso