Was hat mich zu einer kreativen Aktivität im Bereich des Kinos geführt? (Kreative Aktivität: das Werk eines lebenden Menschen, der unter Menschen lebt. Ich möchte klarstellen, daß ich darunter keineswegs nur etwas verstehe, das auf den Wirkungskreis eines Künstlers beschränkt ist. Jeder Arbeiter ist, wenn er lebt, kreativ: dann jedenfalls, wenn er leben darf. Das heißt: in dem Maße, wie sein Leben frei und offen ist; das gilt für den Künstler wie für den Handwerker oder Arbeiter).

Ich meine nicht den inneren Drang aufgrund einer vermeintlichen Berufung – eine romantische Idee, fern unserer aktuellen Realität, ein abstrakter Begriff, der für die Künstler geprägt wurde, um ihre privilegierte Arbeit von der anderer Menschen abzusetzen. Denn Berufung gibt es nicht, es gibt nur das Bewußtsein der eigenen Erfahrung, die dialektisch fortschreitende Entwicklung eines Menschenlebens im Kontakt mit anderen Menschen. Auch glaube ich, daß man nur durch gelebte Erfahrung, täglich angeregt durch die liebevolle und objektive Beobachtung der menschlichen Existenz, zur Spezialisierung gelangen kann.

Doch dorthin gelangen heißt nicht, sich darin einschließen, indem man jede konkrete soziale Bande abschüttelt, wie das bei vielen Künstlern der Fall ist. Dabei muß die Spezialisierung oft die schuldhafte Flucht vor der Realität rechtfertigen. Um es ganz deutlich zu sagen: Das ist nichts anderes als ein feiger Rückzug.

Ich will nicht behaupten, daß jede Arbeit eine besondere Arbeit ist, ein ‚Beruf‘. Aber sie kann nur von Wert sein, wenn sie auf vielfache Weise Zeugnis ablegt vom Leben, wenn sie eine Manifestation des Lebens ist.

Das Kino hat mich angezogen, weil darin die Impulse und die Anforderungen vieler zusammenfließen und sich vereinen, mit dem Ziel einer besseren gemeinschaftlichen Arbeit. Es ist klar, daß dadurch an die menschliche Verantwortung des Regisseurs außerordentlich hohe Ansprüche gestellt werden, doch – unter der Bedingung, er ist nicht korrumpiert durch eine dekadente Sicht der Welt – wird ihn gerade diese Verantwortung auf den richtigen Weg führen.

Was mich aber in erster Linie zum Kino geführt hat, ist die Verpflichtung, die Geschichten lebender Menschen zu erzählen. Menschen, die inmitten der Dinge leben, wo nicht die Dinge für sich selbst stehen.

Das Kino, das mich interessiert, ist ein anthropomorphes Kino.