Das Spitzenmanagement im Volkswagen-Konzern muß sich auf Veränderungen einstellen. Nach Ablauf von weniger als zwei Jahren, so lautet die Prognose, werden vier der zehn Vorstandsmitglieder, die noch am Jahresanfang zum obersten Exekutivgremium zählten, ihren Chefsessel in Wolfsburg geräumt haben.

Nachdem bereits im März der VW-Finanzchef Rolf Selowsky die Verantwortung für den Riesenverlust von maximal 480 Millionen Mark aus dubiosen Devisentermingeschäften übernommen hat und zurücktrat, wird zum Jahresende ein zweiter Platz im Vorstand frei: Wolfgang Habbel, Chef der VW-Tochter Audi, zieht sich aus Altersgründen auf Raten ins Privatleben zurück. Bei Audi in Ingolstadt hängt Habbel aber noch ein weiteres Jahr als Vorstandsvorsitzender an.

Habbels kurzfristige Vertragsverlängerung gilt in der Branche als Niederlage für den derzeitigen Habbel-Vize und Audi-Cheftechniker Ferdinand Piëch, der seit langem als designierter Audi-Chef gehandelt wird. Selbst wenn Porsche-Enkel Piëch doch 1989 in Ingolstadt zur Nummer eins aufsteigen sollte, wird er Habbel wohl nur zum Teil beerben, denn die automatische Mitgliedschaft des Audi-Chefs im Wolfsburger VW-Vorstand ist durch Habbels Stufen-Rückzug gerade abgeschafft.

Hahn muß sich außerdem um die Neubesetzung zweier anderer Vorstandsressorts Gedanken machen. Die Verträge von Personalvorstand Karl-Heinz Briam und vom stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Horst Münzner laufen Ende 1988 aus. Aus Altersgründen und auch, weil sie eher zur Anti-Hahn-Gruppe in der Führungsmannschaft gerechnet werden, können Briam und Münzner kaum auf neue Verträge hoffen.

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Auch für die bestbezahlten deutschen Unternehmenschefs ist bei jährlichen Millionenbeträgen in Mark mit einer Zwei am Anfang das obere Ende der Gehaltsskala erreicht. Da lebt Lee Iacocca, Boß des drittgrößten amerikanischen Autoherstellers Chrysler, schon in einer anderen Welt: Seine Gesamtbezüge für das vergangene Jahr belaufen sich auf immerhin 20,577 Millionen Dollar. Das sind bei heutigem Kurs 37 Millionen Mark.

Damit stellt Iacocca auch die Chefs der weit größeren Konkurrenten General Motors und Ford in den Schatten: Roger Smith bekam „nur“ rund fünf Millionen Mark, Fords oberster Manager Donald Peterson 7,7 Millionen Mark.