ZEIT: Herr Nuyken, die Kirchensteuer wird am Aufkommen der Lohn- und Einkommensteuer bemessen. Folglich führt jede Einkommensteuersenkung auch zu einer Verminderung der Einnahmen bei der Kirchensteuer. Können Sie schon sagen, wie hoch die steuerreformbedingten Ausfälle bei Ihnen künftig sein werden?

Nuyken: Für den Teil der Steuersenkungen, der 1988 in Kraft tritt, rechnen wir inklusive der schon 1986 erfolgten Steuerentlastungen mit einem Gesamtausfall von 376 Millionen Mark im Jahr 1988. Gegenüber dem Ist von 1987, das wir noch nicht kennen, bedeutet das dann ein Minus von etwa vier Prozent.

ZEIT: Nun hat es auch in früheren Jahren immer wieder mal Steuersenkungen gegeben. Wie sind die Kirchen denn damit fertig geworden?

Nuyken: Zum einen waren oft erhebliche Lohnsteigerungen vorangegangen, die bei uns auch zu entsprechenden Mehreinnahmen geführt haben. Damit konnten bei uns Rückstellungen für schlechte Zeiten gebildet werden. Das trifft insbesondere für die Zeit bis 1975 zu. In den Jahren nach 1979, in denen es auch schon mehrere Steuersenkungen gegeben hat, mußten wir dann vor allem den Baubereich einschränken, aber auch Sachkosten.

ZEIT: Nun gibt es Befürchtungen, daß die Mindereinnahmen der Kirchen aufgrund der für 1990 geplanten großen Steuerreform zu einer erheblichen Einschränkung der kirchlichen Arbeit im karitativen Bereich führen, treffen diese Befürchtungen zu?

Nuyken: Die Befürchtungen treffen durchaus zu, und zwar für die Zeit ab 1990. In diesem Jahr soll ja die Einkommensteuer um netto 25 Milliarden Mark gesenkt werden. Das wird dann auch uns schwer belasten. Jedenfalls wissen wir bisher nicht, wie wir die dann zu erwartenden Ausfälle, die wir noch nicht kennen, kompensieren sollen. Bei diesen Steuerplänen werden ja sehr viele Einkommenbezieher – die Bundesregierung rechnet mit 500 000 – ganz aus der Steuerpflicht herausfallen. Wir meinen aber, daß es sich hier um Kirchenmitglieder handelt, die mit ihren Einkünften sehr wohl zu den finanziellen Lasten der Kirchen beitragen können. Über das Wie muß noch mit dem Finanzminister verhandelt werden.

ZEIT: Unterstellt, es gibt keine Einigung mit dem Finanzminister. Wo könnte noch gespart werden, um die Mindereinnahmen auszugleichen?