Neue Privatpensionen und zehn weitere Hotels sollen mehr Unterkunftsmöglichkeiten für Westtouristen in Polen schaffen. Mit einem forderten Fremdenverkehr will Polen seine Deviseneinnahmen erhöhen und damit die angespannte Wirtschaftslage verbessern.

Polens Touristiker machen es jetzt ihren ungarischen Kollegen nach. Mitte vergangenen Jahres wurde in Warschau das gemischt österreichisch-polnische Unternehmen Valimpex gegründet. Diese Firma soll bis Anfang der neunziger Jahre zehn neue Hotels in Polen bauen. Das Kapital dafür kreditieren im wesentlichen die Österreicher.

Mit dem Bau der ersten beiden Herbergen, beides Luxushotels, wurde bereits in Warschau begonnen. Eines davon wird später die nationale Fluggesellschaft LOT betreiben. Auch das ist ein Novum. Neue Hotels entstehen im westpolnischen Jelenia Góra, in Miecydroje an der Ostseeküste und in Krakau. Über die übrigen Standorte soll noch in diesem Jahr entschieden werden. Außerdem sieht der Staatsplan vor, daß bis Mitte der neunziger Jahre alle renovierungsbedürftigen Hotels modernisiert werden.

Neben dem staatlichen Tourismusgeschäft erlaubt Polen auch die privaten touristischen Initiativen. Einheimische Investoren wollen außerhalb der großen Touristenzentren zahlreiche private Pensionen bauen. Einige sollen als kleine Ferienhaussiedlungen entstehen, in denen dann auch größere Gästegruppen, etwa bundesdeutscher Busreiseveranstalter, untergebracht werden können.

Polens Fremdenverkehr, der nach den politischen Ereignissen der zurückliegenden Jahre fast völlig zum Erliegen gekommen war, hat sich mittlerweile wieder erstaunlich gut erholt. 1985 registrierte das Tourismusministerium 3,4 Millionen Besucher aus dem Ausland. Unter den 880 000 Gästen aus westlichen Ländern befanden sich knapp 300 000 Bundesbürger. Der Tourismus aus der Bundesrepublik, versichert der zuständige Minister Zbygniew Sajkowski, sei der wichtigste aus dem westlichen Europa; er habe schon jetzt wieder die gleiche Größenordnung wie vor dem Jahr 1981.

Immer häufiger kommen nicht nur Studienreisende, sondern auch Sommerurlauber in Feriengebiete wie beispielsweise Masuren. Dort ist mit dem „Mrongovia“ ein sehr gutes Club- und Sporthotel entstanden mit Freizeitangeboten für Reiter, Segler, Angler, Wanderer und Fahrradurlauber. Ein polnischer Studienreisen-Spezialist bietet sogar Kurse für Heißluftballonfahrer. Künftig soll es im ganzen Land mehr kleine Geschäfte, Restaurants und Imbißbuden geben, sogar ein Spielkasino ist in Planung.

Willi Bremkes