Lüneburg

Noch in diesem Jahr wollen die Lüneburger ihr Saline-Museum offiziell eröffnen. Ob daraus tatsächlich etwas wird, ist freilich ungewiß. Zur Zeit sieht es so aus, als hätte sich die Stadt.mit ihrem Saline-Gelände eine Posse erlaubt; für 3,5 Millionen Mark hat sie den Platz, auf dem über tausend Jahre lang die lukrative Sole sprudelte, aus der Hand gegeben, und nun muß sie mit anschauen, wie die historische Stätte durch Wohnhäuser, einen Supermarkt und Parkplätze verschandelt wird.

„Wir sind gegenwärtig rechtlich nicht in der Lage, etwas dagegen zu tun“, beteuert Oberbürgermeister Jens Schreiber. „Aber so schlimm“ sei es doch gar nicht; man habe doch einen guten Kompromiß gefunden.

Der Kompromiß sieht so aus: Auf dem letzten Siedehaus, das unter Denkmalschutz steht, machen sich Plakate mit den Angeboten der Woche breit – die Werbung des Supermarktes, der über zwei Drittel des alten Gebäudes einnimmt. Eher versteckt liegt in einem abseitigen Teil des Gebäudes das Museum. Ein Solehügel, ebenfalls unter Denkmalschutz, wird in nächster Nähe von Neubauten überragt. Vor dem klassizistischen Brunnenhäuschen, dem Wahrzeichen der Saline und dem Tor zur salzhaltigen Unterwelt, rangieren die Lastwagen, die den Supermarkt beliefern. Die Szene mutet an wie eine Mischung aus Historie und Disneyland.

Bis zum Jahr 1978 war die Stadt noch mit 34 Prozent Miteigentümerin des rund vier Hektar großen Geländes. Das Vorkaufsrecht galt, der Einspruch wäre möglich gewesen, als eine Kommanditgesellschaft aus Schleswig-Holstein das Gebiet mit der Absicht, es neu zu bebauen, kaufte. „Es fehlte der Stadt an Geld“, sagt der Oberstadtdirektor. „Es fehlt der Stadt an historischer Einsicht“, sagt die Stadtarchivarin. „Hier wird doch nur in Backstein und Treppengiebeln gedacht.“

Bis 1980 ist in der Saline noch Salz gewonnen worden. Unmittelbar nachdem die Flammen unter den Siedepfannen erloschen waren, rückten die Abrißkolonnen an. Eine Initiative „Förderkreis Industriedenkmal Saline“ konnte eines der Siedehäuser, einen ehemaligen Eselstall, den Solehügel und das Brunnenhäuschen erhalten. Aufgrund eines Vertrages, der den Erhalt dieser Bauwerke sowie die Einrichtung eines Museums festlegte, übergab die Kommanditgesellschaft ein Drittel des Geländes in die Verwaltung einer Lüneburger Firma.

Die Besitzverhältnisse sind verworren. „Wir haben nichts mehr damit zu tun“, sagt der Geschäftsführer der einen Firma. „Wir tragen nur die halbe Verantwortung“, entgegnet der Geschäftsführer der andern. Auch der Leiter des Museums, Christian Lamschus, blickt durch diese Filzwirtschaft nicht durch. Ihm ist wichtig, daß das Projekt „Museum“ überhaupt weiterläuft.