Massaker an Zivilisten, Bombenterror in der Hauptstadt Colombo: Auf Sri Lanka eskaliert der blutige Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen.

Die Bombe, die am Dienstagnachmittag zur Hauptverkehrszeit am zentralen Busbahnhof Colombo explodierte, tötete über hundert Fahrgäste und Passanten. Die Regierung, die tamilische Extremisten des Anschlags beschuldigt, verhängte eine Ausgangssperre über die Hauptstadt.

Dem Blutbad waren zwei Massaker im Nordosten der Insel vorausgegangen. Am Karfreitag stoppten tamilische Guerilleros im Distrikt von Trincomalee einen Fahrzeugkonvoi und erschossen 127 Singhalesen, darunter 14 Kinder.

Am frühen Morgen des Ostermontags überfiel ein Terrorkommando im selben Distrikt ein singhalesisches Dorf und tötete fünfzehn Einwohner, unter ihnen fünf Kinder, im Schlaf. Nach Angaben der Regierung gehen die Massaker auf das Konto der Tamilen-Organisation „Befreiungstiger von Eelam“ (LTTE), die mit den Terroranschlägen jedoch nichts zu tun haben will.

Nach der blutigen Eskalation der letzten Tage sind die Aussichten auf eine friedliche Lösung des ethnischen Konflikts auf Sri Lanka geschwunden, der seit 1983 schon 6000 Menschenleben gefordert hat. Die Regierung von Präsident Jayewardene, die den Tamilen zwar nicht den von den Radikalen geforderten eigenen Staat „Eelam“, aber doch ein größeres Maß an Autonomie zugestehen will, muß nun versuchen, einen Rachefeldzug der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit gegen die Tamilen zu verhindern. Die Zeit der politischen Kompromisse ist vorbei: Auf Sri Lanka scheint eine Minderheit den offenen Bürgerkrieg herbeirufen zu wollen. M. N.