Von Wolfgang Hoffmann

Noch bevor Forschungsminister Heinz Riesenhuber nach Moskau reiste, um dort das erste deutsch-sowjetische Nuklearabkommen perfekt zu machen, schwärmte er von der gemeinsamen Atomzukunft beider Staaten: „Mit unserer weltweit führenden Sicherheitstechnik wollen wir mithelfen, daß sich Tschernobyl nicht wiederholt. Es geht um Milliardenaufträge für die Nachrüstung von etwa 78 Reaktoren.“

Riesenhubers Fraktionskollege Matthias Engelsberger, energiepolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag, feierte den Abschluß des deutsch-sowjetischen Kooperationsabkommens über die Kernenergie auch schon als großen Erfolg der Bundesregierung.

Ganz so fix wie Riesenhuber und Engelsberger sich die Nachrüstung sowjetischer Atommeiler vorstellen, werden die Russen freilich nicht sein. Auch in Moskau will gut Ding Weile haben. Für die Sowjets ist das Nuklearabkommen zunächst nur der äußere Rahmen für den Beginn einer langfristigen Zusammenarbeit, bei der die Sicherheit von Kernkraftwerken nur ein Aspekt ist.

Gegenstand der geplanten Zusammenarbeit ist die gesamte Palette der friedlichen Kernenergienutzung. Sie umfaßt:

  • die Ausarbeitung kerntechnischer Konzepte,
  • die Errichtung und den Betrieb von Reaktoren,
  • die Grundlagenforschungen in der Kernphysik,
  • gemeinsame Arbeiten auf dem Gebiet der Kernfusion (bei der die Atomkerne nicht wie bei der herkömmlichen Kernenergie gespalten, sondern miteinander verschmolzen werden).

Das sind zwar ehrgeizige Ziele; ob sie sich auch in Form von Milliardenaufträgen für die deutsche Nuklearindustrie niederschlagen, steht vorerst in den Sternen. Erst einmal haben Deutsche und Russen Seminare, Besuche und Arbeitsthemen verabredet, die sich nach den Erfahrungen der bisherigen wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit eher mühsam gestalten werden.