Daß die Europäer das Pulver nicht erfunden haben, weiß heute jedes Schulkind, obwohl noch immer der Name eines gewissen Berthold Schwarz herumgeistert, der seiner Berufung nach eigentlich Domherr in Konstanz war. Nein, die Chinesen hatten das Schießpulver schon fünfhundert Jahre früher, doch sie nutzten es – anders als die Europäer, die 1334 bei der Verteidigung von Meersburg erstmals Kanonen einsetzten – jahrhundertelang nur zu ihrem Vergnügen, zu Feuerwerksraketen, bevor sie im dreizehnten Jahrhundert auf die Idee kamen, mittels Raketen Brandsätze ins feindliche Lager zu schleudern.

Das ist das Stichwort. Auch Raketen hatten die Chinesen früher als die Europäer. Wen wundert’s da, wenn Postminister Schwarz-Schilling jetzt erwägt, deutsche Fernseh-Satelliten mit chinesischen Raketen in den Weltraum schießen zu lassen? Schließlich zahlt sich alte Tradition offenbar aus: Von einem Dutzend Raketen – sie heißen beziehungsreich „Langer Marsch“, nicht wegen des 36 000 Kilometer langen Wegs in die Erdumlaufbahn, sondern wegen Mao – versagte nur eine. Trauer muß da Europas Ariane tragen. hm