Von Karl R.Pogarell

Ich habe viel mit Ausländern zu tun – mit denen, die in politischen Rechenschaftsberichten unter dem Stichwort „Internationale Beziehungen“ zu finden sind. Diese Leute haben Probleme.

Sie brauchen zum Beispiel ein Visum, eine Wohnung, Geld. Sie alle wollen die deutsche Sprache erlernen oder ihre Sprachkenntnisse verbessern. Letzteres ist leider unmöglich. Deutsch kann man hier nicht lernen. Vielleicht in Peking, New York oder Istanbul, aber nicht hier.

Erstes Beispiel: Ich gehe mit einem chinesischen Hochschullehrer zum Ausländeramt der Stadt. Der Professor braucht eine Visumsverlängerung, sonst kann er seine Untersuchungen zu Goethe nicht abschließen. Der für Asiaten zuständige Beamte – er ignoriert den Gelehrten, spricht meistens mit mir. In einem Anfall von Wachsamkeit und Pflichteifer wendet er sich schließlich doch an jenen und fragt: „Du wollen hier arbeiten, du wollen immer hier bleiben?“

Der Sprache Goethes mächtig, meinen westfälischen Einschlägen gewachsen, ist der Angesprochene nun überfordert. Der Beamte grinst ihn an, also lächelt er zurück. „Du wollen hier bleiben?“, hakt der pflichtbewußte Preuße nach. Ein „Ja“ ist allemal höflicher als ein „Nein“, denkt sich der Chinese, der mit den Feinheiten der Beamtensyntax nicht vertraut ist, und antwortet entsprechend.

„Das ich mir gedacht, das nicht gehen“, dem Vertreter des Staates ist entgangen, daß er schon wieder mit mir spricht. Zehn Minuten benötige ich, um das Mißverständnis aufzuklären.

Um den Mann aus dem Reich der Mitte abzulenken, unternehme ich mit ihm einen Stadtbummel. Vor einem besonders schönen Fachwerkhaus bleibt er stehen und begehrt mehr über das Gebäude zu erfahren.