Spur nach Moskau?

Auch in Israel gibt es nun eine Tagebuch-Affäre. Die Aufzeichnungen sind zweifellos echt, jedoch spurlos verschwunden, wie der Journalist Tom Segev herausfand. In der vergangenen Woche mußten Vertreter des Ben-Gurion-Archivs öffentlich eingestehen, daß einige der liniierten Kladden, die der frühere Premierminister zu benutzen pflegte, seit Jahren nicht mehr in ihrem Besitz sind. Da es so gut wie keine Anhaltspunkte für den mysteriösen Diebstahl gibt, wuchern die Spekulationen. Für die meisten Israelis führt die Spur freilich nach Moskau. Nur der KGB könne ein Interesse am Inhalt der Tagebücher – Notizen aus der Zeit von Januar bis Juli 1956 – haben. In jene Monate fällt einer der größten Erfolge des israelischen Geheimdienstes: Seine Agenten brachten ein Exemplar von Chruschtschows Geheimrede über die Stalinschen Verbrechen vor dem XX. Parteitag im Februar 1956 an sich und übergaben es der CIA.

Wirtschaftslage der Nation

Bonn nimmt eine von den Interessierten hochgeschätzte Übung wieder auf, die von der sozialliberalen Regierung 1971 begonnen worden, aber einige Zeit später wieder eingeschlafen war: Mit dem diesjährigen Kanzlerbericht zur Lage der Nation im geteilten Deutschland werden wieder umfangreiche Materialien einhergehen. Sie gelten diesmal, eine Premiere, vor allem dem Vergleich von Form und Leistungsfähigkeit der Wirtschaftssysteme in den beiden deutschen Staaten. Außerdem werden Parallelen zwischen der ökonomischen und sozialen Entwicklung seit 1970 gezogen. An den vom innerdeutschen Ministerium betreuten Materialien, deren Manuskript mehr als 1300 Schreibmaschinenseiten umfaßt und die demnächst als Bundesdrucksache erscheinen werden, haben viele renommierte Fachleute wie zum Beispiel die Professoren Karl Thalheim, Wolfram Engels oder Hans-Jürgen Krupp mitgearbeitet.

Patentierte Manipulationen

Wer in Amerikas Gentechnik-Laboratorien mit dem Erbgut verschiedener Lebewesen experimentiert und dabei ein neues Tier – sagen wir eine Riesen-Kuh oder ein Super-Schaf kreiert – kann seine Schöpfung seit dieser Woche als geschütztes Bundespatent beim US-Handelsministerium anmelden. Dies berichtet die New York Times. „Diese Regelung gilt für alle Formen höheren Lebens und kann auch auf menschliche Wesen ausgeweitet werden“, sagt Charles E. Van Horn vom amerikanischen Patentamt. Die Regierung in Washington verbietet allerdings ausdrücklich die Anwendung der neuen Regelung auf Menschen. Durch die künstliche Verbindung von Genen verschiedener Tiere hoffen die Wissenschaftler, verwertungsgerechte Lebewesen zu schaffen. Voraussetzung für die Erteilung des Patents ist natürlich das ordnungsgemäße Funktionieren des neuen Tieres. Das amerikanische Superschwein, entworfen und produziert in einem Forschungslabor in Beltsville, Maryland, kommt deshalb für ein Patent wohl nicht in Frage: Durch ein menschliches Wachstumshormon ist das neue Schwein zwar besonders groß und mager, schielt dafür aber extrem und leidet unter chronischer Gicht in den Gelenken.