Der Rückblick auf das, was wir waren, ist zu-

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gleich ein Blick auf das, was wir sind. Und wir sehen naturgemäß zuerst, was wir verloren haben: die leidenschaftliche Unmittelbarkeit der Gefühle und Handlungen. Elias zeigt aber auch, was wir gewonnen haben: eine ungleich größere Sicherheit, Sicherheit vor der todbringenden Aggression des Nächsten zum Beispiel.

Was wiegt denn mehr: der Gewinn oder der Verlust? Das will ich nun von Elias, da wir beim Kerzenschein sitzen, wissen. "Das", entgegnet er nach einer kurzen Pause (und vor jeglicher Antwort macht Elias eine kurze Pause), "das ist eine Nullfrage." Will sagen: darauf gibt es keine Antwort. Oder: Das ist schlecht gefragt. Denn Elias, wie er nach und nach erläutert, sieht seine Aufgabe nicht in einer moralischen oder ideologiekritischen Bewertung des Zivilisationsprozesses.

Aber, so frage ich, immer noch unbelehrt, weiter: Wer hat recht, diejenigen, die ihn von rechts loben, weil er den Disziplinierungsprozeß stoisch und scheinbar zustimmend konstatiert? Oder diejenigen, die ihn von links gegen affirmative Deutungen in Schutz nehmen und als einen "Autoren theoretischer Opposition gegen das Bestehende" feiern (wie es der Aachener Soziologe Karl-Siegbert Rehberg getan hat)?

Der Mensch ist nicht allein

"Wissen Sie", sagt Elias auf seine trockene, freundliche Art, "rechts-links, das ist eines jener vielen Begriffspaare, die längst überholt sind. Damit kann ich nichts mehr anfangen." Aber es könne ihm doch nicht gleichgültig sein, ob sein Werk von Linken oder von Rechten verwendet werde? "Ich habe eine Nicht-Leidenschaft für gegenwartspolitische Gegensätze."