„Des Teufels Paradies“ von Vadim Glowna

Wenn Mario Adorf als schmieriger, tückischer Hotelier hinter den Weibern her ist und wenn er im Zorn den Zigarrenstummel in den Aschenbecher haut, daß die Funken stieben; wenn Jürgen Prochnow als hochmütig-einsamer Abenteurer und Weltflüchtling ganz langsam den Kopf dreht und aus seinen matten Augen Verachtung springt; wenn Sam Waterston als philosophischer Ganove und heruntergekommener Gentleman mit melancholisch-dämonischem Lächeln das Unglück in die Wege leitet; wenn Ingrid Caven als Mutter einer bizarren von Damen, die im Hotel Musik Verruchtheit ihre Songs absolviert; und wenn am Ende von Vadim Glownas Film „Des Teufels Paradies“ die Bungalows, die Schuppen und die Gleisanlagen dieser aufgelassenen Kohlenmine irgendwo auf einer hinterindischen Insel in die Luft liegen, während Prochnow, der hier Mr. Escher heißt, mit seiner Geliebten hinaus ins Offene tuckert, dann ist alles so, wie wir es erwarten, dann hat alles seine Richtigkeit. Denn zu subtil und feinsinnig darf Kino nicht sein.

Und wenn wir die wunderbaren Bilder des Kameramannes Martin Schäfer sehen, der uns die dunkle, lockende Welt der Wildnis zeigt, wo Buschtrommeln dröhnen, wo nackte, lehmbeschmierte Frauen magische Tänze tanzen und wo schwarze Regenwolken über der Bucht hängen, und wenn archaische Männerphantasien von Gefahr und Bewährung, von Freundschaft und Verrat, von Liebe und Tod die Geschichte vorantreiben, dann sind wir schon halb gewonnen.

Aber verloren sind wir, wenn wir Joseph Conrads Roman „Sieg“ (S. Fischer-Verlag) lesen, der Glowna den Stoff lieferte, wenn wir sehen, wieviel fragloser, radikaler und magischer Conrad ist, wie Glowna zwar in einzelnen dramatischen Momenten stark ist, aber insgesamt den Rhytmus verfehlt und sich in Kinoeffekten verliert, wie sich der Bogen der Geschichte einfach nicht richtig spannen will.

Vadim Glowna liebt es, am Ende alles in Brand zu setzen. Schon in seinem Film „Dies rigorose Leben“ explodierte die Tankstelle im Wilden Westen, während die schöne, wilde Frau auf dem Highway davonschritt. Auch hier geht schließlich alles hoch. Aber es geht nicht hoch genug. Wer den Film sieht, wird es nicht bereuen, wer ihn verfehlt, wird nichts versäumen. Ulrich Greiner

„Tommaso Blu“ von Florian Furtwängler

Wenn Sommer ist in Bari und die Sonne glüht, wenn sonntags die Familien zum Meer geschwärmt sind und ein stiller Mittag naht, dann wagt sich Pan vom Lande in die Stadt. Dann ist die Vernunft in der Defensive, und sanfter Wahnsinn macht sich breit. An einem solchen Mittag beginnt „Tommaso Blu“. Der Arbeiter Tommaso hat Frau und Kinder an den Strand geschickt; jetzt suhlt er sich in Einsamkeit. Vom Balkon aus guckt er den Frauen zu, gibt sich heißen Tagträumen hin, befriedigt sich selbst. Später wird er durch die Straßen streifen, hinaus aus der Stadt über die Felder zum Meer. Wer im Kino die Augen aufhält und die Ohren spitzt, der kriegt Lust, Tommaso zu begleiten, mit ihm zu träumen, mit ihm zu spinnen: die Sehnsucht aller Nordländer, zu einfachen, unpathetischen Bildern geronnen.