Von Brigitte Jakobeit

W Weshalb zählen die Hausangestellten in Südafrika zu den besonders benachteiligten Menschen?

Mary Mkhwanazi: Weil weibliche Hausangestellte in Südafrika als Arbeitnehmer überhaupt nicht existieren. Es gibt übrigens auch Männer, die im häuslichen Dienstleistungsbereich arbeiten, aber wenige. Schwarze Männer finden diese Art von Arbeit entwürdigend. Hausangestellte werden von jeder Arbeitsgesetzgebung ausgeschlossen. Es gibt keine Mindestlöhne, kein Kranken-, Urlaubs- oder Arbeitslosengeld, keinen Schwangerschaftsurlaub. Der Arbeitszeit ist nach oben hin keine Grenze gesetzt. Hausangestellte haben keinen Anspruch auf Arbeitslosen- und Sozialleistungen, auch nicht auf Rente. Es gibt nicht ein einziges Gesetz, das sie schützt, nur ein sogenanntes common law‚ ein allgemeines Gesetz. Aber selbst das gewährt ihnen lediglich eine Art Kündigungsschutz, indem es besagt, daß ein Arbeitgeber, der seinen schwarzen Hausangestellten entlassen will, ihn noch vier Wochen beschäftigen oder ihm statt dessen ein Monatsgehalt zahlen soll. Dieses Gesetz kennen zwar alle, aber kaum jemand hält sich daran. Hausangestellte haben keine freien Tage, und von Lohn- und Tarifverhandlungen werden sie ausgeschlossen. Selbst die Löhne unterliegen dem Ermessen des Arbeitgebers. Er nennt einen Betrag, der Hausangestellte kann nicht verhandeln.