Der internationale Handelskrieg kennt keine Sieger

Von Peter Christ

Die Eskalation wirkt bedrohlich: Der amerikanische Präsident Ronald Reagan verhängt Strafzölle von hundert Prozent gegen tragbare Computer, Elektrowerkzeuge und Fernsehgeräte bestimmter Größen aus japanischer Produktion. Das amerikanische Repräsentantenhaus, eine Kammer des Kongresses, beschließt ein Gesetz, das Importe in die USA erschweren soll. Die britische Premierministerin Margret Thatcher droht, japanische Banken und Brokerhäuser vom riesigen englischen Finanzzentrum, der Londoner City, auszusperren. Die EG-Kommission hat schon zugeschlagen und Photokopierer japanischer Provenienz mit zwanzig Prozent Zoll belegt.

Es ist nicht das wirtschaftliche Gewicht der gegen Japan gerichteten Strafaktion, das besorgt. Reagans Zölle betreffen nur japanische Waren im Wert von 300 Millionen Dollar, ein Nasenwasser gemessen an den gesamten Ausfuhren Japans nach den Vereinigten Staaten von 86 Milliarden Dollar. Es ist die Stimmung, die hinter diesem protektionistischen Treiben steckt, die Angst machen kann.

Eine Resolution des amerikanischen Kongresses, die den Präsidenten aufforderte, gegen die japanische Halbleiterindustrie vorzugehen, begleitete der republikanische Senator Pete Wilson mit der Bemerkung: „Anders als in all diesen zweitklassigen Horrorfilmen zerstört der japanische Halbleiter-Gorilla nun alles außer Tokio.“ Die USA, meinte Wilson, sollten nun zurückschlagen, „sogar wenn unsere Vergeltung einen Handelskrieg beschleunigt. Eigentlich sind wir doch schon im Krieg mit Japan.“

Die Japaner sehen es anscheinend ähnlich. In Tokio umschrieben Fernsehkommentatoren den Handelskonflikt mit dem Begriff Kaisen zen-ya (Vorabend des Krieges). Diesen Ausdruck hatten die Japaner auch vor ihrem Überfall auf den amerikanischen Pazifikhafen Pearl Harbour im Dezember 1941 gebraucht.

Gefährliches Vorbild