Die Matuschka-Gruppe hat sich zur größten bankunabhängigen Gesellschaft entwickelt

Mit 24 Jahren entdeckte er eine „unternehmerische Marktlücke“ im deutschen Universalbankensystem. Zusammen mit zwei Freunden gründete er als „beurlaubter Werkstudent“ eine Firma, die heute ein Milliardenvermögen verwaltet und bewegt.

Albrecht Graf Matuschka ist weiß Gott ein „seltener Vogel“ in der „oft etwas tristen deutschen Finanzlandschaft“, wie die englische Financial Times schon vor drei Jahren voller Bewunderung geschrieben hat. Als er 1969 daran ging, seine Firma aufzubauen, wobei ihm zunächst „ein kleiner selbständiger Gewerbebetrieb“ vorschwebte, da mußte er sich mit einem winzigen Zimmerchen in München begnügen. Es war gleichzeitig Wohnraum und Büro. Aber er fand tatsächlich Leute, die zu dem jungen Mann Vertrauen hatten und ihm ihr mehr oder weniger sauer verdientes Geld anvertrauten, damit er es betreue und mehre.

Heute residiert die TRV Treuhand-Vermögensverwaltung GmbH nach dem vierten Umzug in einem repräsentativen Geschäftshaus in der Barer Straße nahe dem Münchner Stachus. Sie ist die Stammfirma der „Matuschka-Gruppe“, zu der inzwischen rund zehn weitere Firmen im In- und Ausland gehören. Mit 230 Mitarbeitern und einem Anlagevolumen von mehreren Milliarden Mark – es hat sich in den letzten zweieinhalb Jahren verdoppelt – kann sie sich stolz die größte bankunabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft in der Bundesrepublik nennen. Trotz des großen „Futterneids“ in der Finanzbranche, wie es der 42 Jahre alte Matuschka formuliert, findet sie immer größere Resonanz.

Einem breiteren Publikum ist der feine, davor weithin im verborgenen gewachsene Sproß der deutschen Hochfinanz eigentlich erst vor dreieinhalb Jahren bekannt geworden, als Matuschka gemeinsam mit der Siemens AG eine Risikokapitalfirma ins Leben gerufen hat. Die TVM Techno Venture Management GmbH & Co. KG in München, die bis Ende dieses Jahres 116 Millionen Mark in zahlreichen in- und ausländischen Firmen investiert haben will, gab nun die „Glitzerfassade“ für ein sowieso schon sehr reputierliches Haus ab.

Inzwischen hat Matuschka durch mancherlei Aktionen auf sich aufmerksam gemacht, zum Beispiel auch durch die Abwerbung von Ullrich Moser, Präsident einer zur Dresdner Bank gehörigen US-Gesellschaft, der von heute auf morgen in betont amerikanischem Stil seinen Job wechselte und nun neuer Partner der Münchner in einer eigenen Vermögensgesellschaft in Greenwich/Connecticut ist. Moser gilt als einer der besten Pensionsfonds-Experten.

Matuschka, ein Mann von Liebenswürdigkeit und eisernem Willen zugleich, investiert vor allem in Menschen, in Freundschaften und in Kontakte. Sein Grundprinzip: „Wenn man gute Menschen an sich binden will, muß man sie zu Partnern machen, ihnen eine unternehmerische Chance geben und dabei verschiedene Nationalitäten und Temperamente integrieren.“ Der Graf hat bisher konsequent danach gehandelt. So gibt es heute 28 Partner, die mit unterschiedlichen Anteilen an dem Firmengefüge beteiligt sind, was in den Gesellschaftsverträgen genau festgelegt ist.