Von Hannes Burger

Eine Welle der Begeisterung und des Vertrauens kann man es wohl nicht gerade nennen, was da letzte Woche aus dem Sender drang, als der Bayerische Rundfunk den neuen Mann für den frei werdenden Posten des Fernsehdirektors vorstellte. Obwohl er der einzige Kandidat war, den Intendant Reinhold Vöth dem Rundfunkrat vorgeschlagen hatte, und obwohl er ein „Oldtimer“ des BR ist, hat Wolf Feller gerade noch mit 25 gegen 23 Stimmen die Mehrheit geschafft. „Um die kleinste bayerische Maßeinheit“, hat es sich da gehandelt, wie man im Freistaat ein so knappes Ergebnis zu umschreiben pflegt, wenn man den volkstümlicheren Ausdruck „ums Arschlecken“ vornehm vermeiden möchte.

Feller ist freilich Profi genug, diesen nicht gerade überwältigenden Ruf nach seiner Führung im Fernsehen wegzustecken. Er hat Übung darin. Als er im Dezember 1982 zum Chefredakteur gewählt wurde, waren es auch nur 23 von damals 42 Stimmen gewesen. Er ist sogar klug genug zu wissen, daß ihm diese schmale Basis seine Arbeit eher erleichtert. Denn jene unter Anführung des Staatsministers Edmund Stoiber mühselig zusammengetrommelte und gegen energischen Widerstand von namhaften Persönlichkeiten eingeschworene CSU-Mehrheit im Rundfunkrat muß nun auf Gedeih und Verderb hinter Feller stehen. Und Stoiber, der sich als die rechteste Hand von Strauß in der Staatskanzlei in seinem Anspruch auf staatliche Einflußnahme wie ein „Reichspropagandaminister“ zu gebärden pflegt, darf in den eigenen Reihen keinerlei Kritik an Fellers künftigem Wirken aufkommen lassen. Da Stoiber im Rundfunkrat mit Feller steht und fällt, muß er stehen bis zum Umfallen.

Vor der Wahl mußte der gelernte Wirtschaftsjournalist Feller manche Ungerechtigkeiten hinnehmen. Er hat auch viel Prügel eingesteckt, die eigentlich den Oberzensoren und Berufs-Einmischern beim BR galten, nämlich Edmund Stoiber und Gerold Tandler. Zumal der Generalsekretär und Fraktionsvorsitzende der CSU läßt keine Gelegenheit aus, Einfluß auf den Sender zu nehmen. Er hat sich aber diesmal schlau in den Hintergrund gespielt, weil Feller nicht sein, sondern Stoibers Kandidat war. Dennoch blieb Tandler aus Parteiräson nicht gerade untätig, um die CSU-Mehrheit zu stabilisieren. Auch für ihn ist es, schon aus Konkurrenzgründen, nicht ganz uninteressant, wie das Gespann Stoiber/Feller künftig über die Runden kommt.

Man hat dem 57 Jahre alten Wolf Feller mit Recht vorgeworfen, daß er ein strammer „CSU-Soldat“ sei und als solcher wiederum ein loyaler Strauß-Anhänger. Ob er aber der CSU jeweils einen Gefallen tut, wenn er Strauß nicht widerspricht, das steht auf einem anderen Blatt. Die CSU nahm es Feller jedenfalls überaus übel, daß er am Abend der Bundestagswahl den aus Ärger schon ziemlich angesäuselten Franz Josef Strauß zum Ende der Bonner Runde noch zu einem peinlichen Auftritt vor die Kamera ließ.