Von Joseph Huber

Container-Jo macht seinem alten Spitznamen neue Ehre. Als Vorsitzender des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz rief Jo Lernen 1981 die demonstrierenden Massen von einem Container am Bauzaun von Brokdorf zu einer gewaltfreien Politik schrittweiser Reformen auf. Heute als Umweltminister des Saarlandes macht er sich daran, dieses anhand dortiger Abfallcontainer zu exemplifizieren. Einmütig verabschiedete der saarländische Landtag am 3. Juni das Abfallwirtschaftsgesetz, das derzeit wohl modernste seiner Art in Europa. Sein Inkrafttreten am 1. Januar 1988 markiert den Schritt von der kosten- und umweltfressenden Wegwerfwirtschaft zur umweltschonenden und kostenminimierenden Abfallvermeidung und Abfallverwertung.

Es ist eine spezifische Not des Saarlandes, die diesen erfinderischen Weg nahelegte. Das Umwelterbe aus über hundert Jahren Eisen- und Stahlverhüttung hat dem kleinen Land übermäßige Altlasten zurückgelassen. Auch in puncto Kläranlagen wird es mangels Finanzen an der Saar weiterhin trübe aussehen. Der feste Abfall aber fließt von alleine nicht weg. Die derzeit rund 640 000 Tonnen Müll jährlich türmen sich vor den Toren, mit wachsender Tendenz und steigenden Kosten.

Vor der Wahl zwischen Szylla, die Neunkirchener Müllverbrennungsanlage von derzeit hundert auf zweihundert Tonnen Durchsatz auszuweiten und die dafür erforderlichen rund hundert Millionen Mark per Kredit zu finanzieren, und Charybdis, neue Deponien zu erschließen, für die es im engen Saarland kaum geeignete Flächen gibt und deren jede etwa zwanzig bis dreißig Millionen Mark kosten würde, ist mit dem neuen Gesetz ein innovativer Ausweg beschritten worden.

Nach Leinens Plänen soll man künftig nicht für das Volumen des Müllcontainers zahlen, wie er im Hof steht, sondern nur für die Müllmenge, die tatsächlich im Container ist. Wiegecomputer am Müllauto können das genaue Gewicht der tatsächlichen Abfallmenge registrieren. Den gleichen Effekt erzielt man auch mit einem simplen Plakettensystem: Erst wenn sein Container randvoll ist, klebt der Kunde eine Plakette dran. Sie wird von der Müllabfuhr eingesammelt und periodisch verrechnet.

Die effektiven Gebühren pro Tonne dürften vergleichsweise höher ausfallen, da die Folgekosten des neuen Gesetzes auf die Verursacherhaushalte umgelegt werden. Abgewickelt wird das Ganze vom Kommunalen Abfallentsorgungsverband, dem alle saarländischen Gemeinden angeschlossen sind.

Dabei soll der Dreckmengenrabatt des bisherigen degressiven Tarifs (je mehr Müll, um so billiger) ersetzt werden durch einen linearen oder gar progressiven Tarif (je mehr Müll, um so teurer). Der realistische Kostendruck soll zum Sparen, das heißt Abfallvermeiden anregen und dazu beitragen, den Gewerbe- und Hausmüll an der Saar innerhalb von fünf Jahren um dreißig Prozent zu reduzieren.