DIE ZEIT

Widrig

Daß Konkurrenz das Geschäft belebe, ist der älteste wirtschaftliche Glaubenssatz. So konnten sich auch die Protagonisten des privaten Rundfunks breiter Zustimmung sicher sein, als sie verkündeten, ihr Auftreten breche das verkrustete öffentlich-rechtliche Monopol.

Sitzordnung

Schluß mit der Pietät, jetzt schwingt bald die Abrißbirne gegen das "Herz unserer parlamentarischen Demokratie", den "steingewordenen Ausdruck unserer zweiten Republik".

Eine Rolle sucht ihren Darsteller

Vier Jahrzehnte sind in der Geschichte ein ganzes Zeitalter. Vierzig Jahre nach dem Wiener Kongreß stand Europa an der Schwelle zum Krimkrieg; vierzig Jahre nach Bismarcks Reichsgründung glimmte schon die Lunte, die 1914 das Pulverfaß Europa zur Explosion brachte; nur zwanzig Jahre nach den Pariser Konferenzen, die den Ersten Weltkrieg beendeten, brach Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg vom Zaun.

Wut an der Mauer

Jagdszenen in Ost-Berlin – zwei Rufe, die sich nicht gleich reimen wollen: "Die Mauer muß weg" und "Gorbatschow"............

Maschinenherz

Vier Monate nach dem Einpflanzen eines Kunstherzens ist in Berlin der Empfänger, ein 52jähriger Mann, gestorben. Eine seiner Nieren hatte sich nicht mehr erholt, andere Organe waren in ihrer Funktion so weit geschädigt, daß sich eine Transplantation verbot.

Weltwirtschaftsgipfel: Die "Grandi" gaben sich gelassen

Das Benediktinerkloster zum Heiligen Georg hat im Laufe seiner fast tausendjährigen Geschichte viele illustre Gäste erlebt. Könige, Päpste und einige andere hochmögende Herren haben das Eiland gegenüber dem Markus-Platz beehrt, das die Heimstatt des ehrwürdigen Gemäuers ist.

Zeitspiegel

"Problem erkannt – Problem gebannt" gilt für arme Länder noch weniger als für die Industriestaaten. In Guatemala-Stadt interessierten sich Parlamentarier plötzlich für Qualität und Hygiene jener Speisen und Getränke, die von Straßenhändlerinnen angeboten werden.

Nach den Raketen die Panzer?

Es sei manchmal schon nicht leicht mit dem Generalsekretär, hat ein hoher sowjetischer Beamter vor kurzem einem westlichen Diplomaten gestanden: "Er will immer neue Vorschläge von uns haben, wir kommen bei seinem Tempo kaum noch mit.

An diesem Freitag besucht der amerikanische Präsident West-Berlin. Trotz aller ideologischen Nähe gibt es Schwierigkeiten zwischen der Reagan-Administration und der konservativen Bundesregierung.: Drängen auf einen deutschen Patriotismus

Weit besser als Bitburg, einer der Schauplätze des letzten Deutschlandbesuches Präsident Reagans, eignet sich Berlin für die Absichten der gegenwärtigen amerikanischen Regierung: Das Brandenburger Tor und die Mauer bieten für die TV-Berater und Redenschreiber des Präsidenten die richtige Kulisse, die bildliche Verdeutlichung einer klaren Trennung zwischen Demokratie und Kommunismus, Freiheit und Unterdrückung – und das sind ja nach wie vor die belebenden Kräfte von Reagans Außenpolitik.

Wahlen in Italien: Kein Ausweg aus der Krise

Achtundvierzig Stunden Streik – Chaos auf der Eisenbahn", kündigten die Schlagzeilen an – zum Glück nur für das Wochenende vor den Wahlen, zu denen (da es keine Briefwahl gibt) jeder Italiener, auch aus dem Ausland, kostenlos oder verbilligt nach Hause befördert wird.

Bonner Entscheidung über die Null-Lösung: Mit Ach und Krach

Die Bundesregierung hat das Unabwendbare vollzogen: Sie bequemt sich der "erweiterten Null-Lösung" an, nach der die Amerikaner und die Sowjets alle nuklearen Mittelstreckenwaffen mit einer Reichweite von über 500 Kilometern in Europa beseitigen wollen.

Zwanzig Jahre nach dem Sechstage-Krieg fehlt in Israel der Wille, die besetzten Gebiete zu räumen, schwanken 1,5 Millionen Palästinenser zwischen Resignation und Aufbegehren.: "Wir sollten nicht mehr hoffen"

Die Frühsommerhitze im Fastenmonat Ramadan treibt sie in den Schatten. Da sitzen sie und dösen und grübeln und warten. Alte, müde Menschen, ihre Gesichter gezeichnet von Gram und Ratlosigkeit: "Für Israel und die arabischen Staaten dauerte der Junikrieg von 1967 ganze sechs Tage, von Montag bis Samstag; für uns Palästinenser dagegen ist auch nach zwanzig Jahren kein Ende in Sicht", erklärt einer verbittert.

Wolfgang Ebert: Small Talk

Als die Sieben in Venedig zum üblichen Phototermin im Paladium-Kloster schritten, bemerkte der kanadische Premier Mulroney, wie Mrs.

BONNER BÜHNE: Verfall der Sitten?

Weil die "positive Entwicklung der Systemgastronomie" Anlaß für vielfältige Diskussionen gibt, ist die Firma MacDonald’s auf eine Idee gekommen.

Sinn fürs Menschliche

Er hat sechs Bundespräsidenten, sechs Kanzler und siebzehn Regierungssprecher erlebt; die meisten davon hat er mit freundlich-spitzer Feder beschrieben: Walter Henkels, Hofchronist zu Bonn.

Der Fall Rust: Langes Warten

Mathias Rust, der nach seinem waghalsigen Flug auf dem Roten Platz in Moskau landete und derzeit im Lefortowo-Gefängnis einsitzt, wird auf seine Rückkehr in die Bundesrepublik noch einige Zeit warten müssen.

Polen: Lehren vom Papst

Auch beim dritten Heimatbesuch empfingen Millionen von Polen begeistert "ihren" Papst. Der Gast aus Rom macht den Kommunisten diesmal zwar weniger politische Sorgen, doch er bringt ihnen die eigenen Komplexe ins Bewußtsein.

Ost-Berlin: Prügel an der Mauer

Am Pfingstsonnabend waren nur einige hundert Jugendliche zur Mauer am Brandenburger Tor gepilgert, hatten aber nur wenig von dem Konzert hören können.

Big Bang in Fleet Street

Die Straße wird es immer geben. Gar nichts Besonderes eigentlich, das Stückchen zwischen Strand und Ludgate Circus. Scheibchenweise Fassadenverschnitt, mal à la grecque, mal Art deco; ein bißchen Prunk, ein bißchen Protz.

Der endlose Krieg

Nordirland – oder der Versuch, keine Lösung für ein Jahrhundertproblem zuzulassen

Ein Volksheld in Belfast

Kreuz und quer durch Belfast fahren rot-weiße Busse. Sie passieren die schweren Eisengitter, die mitten im wieder blühenden Geschäftsviertel aufgepflanzt worden sind; nie weiß man genau, ob da Militär oder Polizei schwer bewaffnet wacht.

Amerikaner zu Besuch: Zu brav, zu angepaßt

West-Berlin chließlich saßen Gäste und Gastgeber im Zeppelin-Saal des Kongreßzentrums. Zwei Wochen lang waren sechs amerikanische Lokaljournalisten zu Gast bei deutschen Zeitungen gewesen.

Rückzug wider Willen

Ein Grüner ist Karlheinz Weimar nicht. Mit seinem Alter von 37 Jahren gehört er zwar zu der Generation, in der die Ökopartei die meisten Anhänger hat, aber der Benjamin am Kabinettstisch des strahlenden hessischen Wahlsiegers Walter Wallmann ist Mitglied der CDU.

Stoltenberg wird abgeschminkt

Wenn die Zeichen nicht trügen, steht in der Bundeshauptstadt die Neuinszenierung eines Stückes auf dem Programm, das viele Jahre lang ein Publikumsrenner war – das Bonner Sommertheater.

Airbus: Starthilfe

Die Bundesregierung hat tief in die Kasse gegriffen, damit der europäische Langstrecken-Airbus auf die Piste kommt: Mit knapp drei Milliarden Mark beteiligt sie sich an den Entwicklungskosten.

Bonner Kulisse

Verteidigungsminister Manfred Wörner hat im Verteidigungsausschuß des Deutschen Bundestages eine empfindliche Schlappe erlebt.

Zeitliches aus Kassel: Kein kleiner Unterschied

Vor geraumer Zeit hatte sich das Bundesverfassungsgericht einmal mit dem gewaltigen Vorwurf zu befassen, daß ein weibliches Wesen in der brieflichen Anrede stets zur "Frau" zusammenschrumpfe, mag es sich auch noch so sehr als Dame fühlen, es vielleicht auch sein.

Lebensmittelskandal: Ekliger Eiertanz

Diese Mitteilung hätte sich Klaus Birkel gerne erspart. Der Eigentümer des größten deutschen Nudelherstellers mußte für das Unternehmen Kurzarbeit anmelden – erstmals in der langjährigen Geschichte des schwäbischen Familienunternehmens.

Markt-Report: Gruß von der Opec

Da auch nach dem Wirtschaftsgipfel in Venedig die Sorge vor einem weiteren Kursverfall des Dollar fortbesteht, blieb auf dem deutschen Aktienmarkt die seit Monaten bestehende Unsicherheit erhalten.

ZEITRAFFER

Der Ölverbrauch der westlichen Industrieländer wird nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) in diesem Jahr weiter leicht ansteigen.

MANAGER UND MÄRKTE

Der Drang der Deutschen in den Süden ist angesichts des miserablen Wetters in der Bundesrepublik verständlich. Die Ferienflieger der Condor Flugdienst GmbH sind deshalb überzeugt, daß sie "einen Rekordsommer" haben werden.

Eine Scheinalternative

ZEIT: Die im Konkurs befindliche Maxhütte braucht eine Auffanggesellschaft. Sie haben gesagt, Bayern sei bereit, sich mit 49 Prozent an dem Stahlunternehmen zu beteiligen.

Stopp für den Schlendrian

Wer den am 31. Mai auslaufenden Fahrplan der staatlichen italienischen Eisenbahnen studierte, wird sich manchmal darüber gewundert haben, daß gerade sein Verbindungszug planmäßig vor drei Minuten abgefahren war.

Kleiner Fußmarsch zum Kind im Mond

So etwas hat es noch nie gegeben. Dreißig berühmte Künstler aus aller Welt werkeln nicht für die Ewigkeit, sondern für den Wanderzirkus eines Rummelplatzes.

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