Die Zahl der privaten Kuren steigt, war unlängst vom Deutschen Bäderverband zu vernehmen. So lag ich denn nicht nur in der Wanne, sondern auch im Trend, als ich jüngst in Badenweiler zur Badekur weilte, gewillt, mir und meinem Arbeitgeber meine Gesundheit und Schaffenskraft zu erhalten.

Zugegeben, losgezogen war ich im bangen Bewußtsein, daß was gesund ist, nicht auch noch Spaß machen kann. Aber siehe da, es machte Spaß – die Wassergymnastik im Thermalbecken, die ruhigen Runden im geheizten Freischwimmbad, die langen Spaziergänge durch die hübsche Landschaft des Markgräfler Lands. Ja, sogar die Massagen taten irgendwann nicht mehr höllisch weh, sondern himmlisch gut.

Eine Medizin, die schmeckt? Nein, ohne bittere Pillen ging’s nun doch nicht. Und die wurden morgens verabreicht, auf nüchternen Magen: Sauerstoffbäder standen auf dem Kurplan. Meinen Blutdruck haben sie in die Höhe katapultiert. Das lag aber nicht am Rosmarinzusatz, sondern an der Darreichung. Die Damen nämlich, die zum Wannenbade luden, hatten den herben Charme preußischer Gouvernanten, und herumdirigiert zu werden wie in einem Pensionat fällt schwer, wenn man a) dem Kindesalter entwachsen ist und b) kräftig und im voraus gelöhnt hat.

90 Sekunden zu spät an die Wanne getreten, das nagelte Rügen: „Sie haben zehn Minuten vor der angegebenen Zeit zu erscheinen.“ Aber das, bitte, ist nirgends vermerkt, kam der schüchterne Einwand. Wer traut sich schon, splitternackt und leicht fröstelnd, mithin in einer wehrlosen Position, wütend zu protestieren? Das habe man zu wissen, schnitt die Stimme durch die Morgenstille, wo kämen wir denn hin, wenn das alle so machten.

Nach weiteren Unmutsbekundungen über mein unstatthaftes Verhalten wurde ich alleingelassen bei dem verzweifelten Versuch, unter Rosmarinschaumbergen nach Luft zu schnappen. Zur Strafe mußte ich wohl auch noch nachliegen im Bad, um immer wieder zu memorieren: „Ich habe pünktlich zu sein, ich habe pünktlich zu sein.“ Schließlich doch noch vom Schaum befreit, hatte ich – anscheinend in der Ruhekabine vergessen – noch weiter Zeit, gute Vorsätze zu fassen. Ich entfloh der Kabine, der Gouvernante und dem Drill, und beschloß, mir für die nächste Kur nur noch Schwimmbad und Massagen zu verschreiben.

Monika Putschögl