Vier Monate nach dem Einpflanzen eines Kunstherzens ist in Berlin der Empfänger, ein 52jähriger Mann, gestorben. Eine seiner Nieren hatte sich nicht mehr erholt, andere Organe waren in ihrer Funktion so weit geschädigt, daß sich eine Transplantation verbot. Das „störungsfrei funktionierende Kunstherz wurde gestoppt“ – so heißt es wörtlich in einer Stellungnahme des Chirurgen.

Eine makabre Situation: Die Technik erfüllt alle in sie gesetzten Erwartungen, aber der menschliche Körper versagt. Eine Maschine muß abgeschaltet werden, durch die ein Mensch lebte. Ohne Zweifel keine ungewöhnliche Situation, auf Intensiv- oder Unfallstationen mag sie oft auftreten, aber in einer Hinsicht wohl doch eine fürchterliche Ausnahme: eine Maschine im Menschen.

Die Medizin wird deswegen nicht auf Forschung und Fortschritt verzichten. Aber vielleicht sollte sie einen Moment innehalten und sich darauf besinnen, daß zum Leben auch der Tod gehört. Ein Schwerkranker wird die Grenzen des ethisch erlaubten Eingreifens fraglos weiter ziehen als ein gesunder Jugendlicher. Aber zu der Macht, die Krankheit und Gesellschaft den Medizinern einräumen, gehört auch die Pflicht, sich über die Grenzen ihres Handelns und der menschlichen Würde klar zu werden.

Eine Maschine wurde abgeschaltet – oder ein Mensch? Die Antwort darauf fällt schwer. Doch dies enthebt uns nicht der Pflicht, sie zu suchen.

H. B.